Predigt Gedanken


 

Pfingsten 2020
Samstag / Sonntag
30. / 31. Mai 2020

Dass wir heute miteinander zum Pfingstfest Gottesdienst feiern können ist für uns eine Freude! Denn wir leben in einer eigenartig schwierigen Zeit. Mitten in den aufwühlenden Tagen der Corona-Krise war das Osterfest und nun 50 Tage danach das Pfingstfest. Die einschlägigen Verordnungen und Regeln haben tief in unser privates, gesellschaftliches und kirchliches Leben eingegriffen. 

Einführung in die Lesungen

      Wir feiern heute „Pfingsten“, das Fest mit dem alten griechischen Namen: „Pentecoste“, was bedeutet: 50. Tag nach Ostern. Pfingsten ist ein Fest mit jüdischer Vorgeschichte: das jüdische Fest „Shavuot“ war ursprünglich ein Erntefest und es wurde dann im Judentum zum Fest der Gabe der Tora. Die Juden feiern an diesem Fest die Gabe der fünf wichtigsten Schriften im Ersten Testament. Wir in den christlichen Kirchen des Westens feiern an diesem Datum die wunderbare Gabe des heiligen Geistes.
      Zum heutigen Pfingstfest hören wir jetzt drei Texte aus der Bibel: Zuerst ein kurzer Text aus dem Buch Genesis, also aus der ersten Schrift in der Bibel. Dann kommt der klassische Festtagstext aus der Apostelgeschichte und als Drittes die Frohbotschaft aus dem Johannesevangelium. Zwischen den Bibeltexten sprechen wir jeweils ein Zwischengebet. Hören wir achtsam und gut!

 

Lesung aus dem Buch Genesis
(Genesis 2,4b-7)

      Zur Zeit, als GOTT, ADONAI, Erde und Himmel machte, gab es auf der Erde noch keine Feldsträucher und wuchsen noch keine Feldpflanzen, denn GOTT, ADONAI, hatte es auf die Erde noch nicht regnen lassen und es gab noch keinen Menschen, der den Erdboden bearbeitete, aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf und tränkte die ganze Fläche des Erdbodens.
      Da formte GOTT, ADONAI, den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. 

                                      1. Zwischengebet  

                                    Du starker Lenker, treuer GOTT,
                                    aus Dir strömt alles Leben.
                                    Du gibst dem Morgen hellen Glanz,
                                    dem Mittag Glut in Fülle.

                                    Bewahre uns vor Übermut.
                                    Hilf uns, wenn wir erschlaffen.
                                    Mach uns gesund an Geist und Leib
                                    und schenk uns Deinen Frieden.

                                    Lob sei dem Vater und dem Sohn,
                                    Lob sei dem Heil’gen Geiste,
                                    wie es vor allem Anfang war,
                                    jetzt und für alle Zeiten. Amen.

 

Lesung aus der Apostelgeschichte
(Apg 2,1-4)

      Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sassen.
      Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen liess sich eine nieder. Und alle wurden von heiligem Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

                                      2. Zwischengebet 

                                    Komm, Heil’ger Geist, vom ew’gen Thron,
                                    eins mit dem Vater und dem Sohn;
                                    durchwirke unsre Seele ganz
                                    mit Deiner Gottheit Kraft und Glanz.

                                    Erfüll mit heil’ger Leidenschaft
                                    Geist, Zunge, Sinn und Lebenskraft;
                                    mach stark in uns der Liebe Macht,
                                    dass sie der Geschwister Herz entfacht.

                                    Lass gläubig uns den Vater sehn,
                                    ein Ebenbild, den Sohn, verstehn
                                    und Dir vertraun, der uns durchdringt
                                    und uns das Leben GOTTES bringt.
                                    Amen

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
(Johannes 20.19-23)

      Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam JESUS, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
      Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.
      JESUS sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
      Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfanget heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten. 

 

Predigtwort

GOTTES Hauch regt an zu Leben und Frieden

      In diesen aufwühlenden Tagen der gefährlichen Virus-Krankheit der Corona-Pandemie feiern wir unsere beiden grossen christlichen Feste Ostern und Pfingsten.
      Die notwendigen Vorsichtsmassnahmen zur Bewältigung dieser globalen Pandemie haben tief in unser privates, gesellschaftliches und kirchliches Leben eingegriffen. So mussten Treffen, Begegnungen, Zusammenkünfte, Feste und Feiern und auch öffentliche Gottesdienste ausfallen.
      Sorgen und Ängste haben viele befallen. Und wir konnten uns nicht so beistehen, wie wir das gerne getan hätten. Kein Sich-an-der-Hand-Halten oder In-den-Arm-Nehmen; keine Besuche und keine tröstenden und aufmunternde gemeinsame Stunden mit Verwandten, Freunden, Nachbarn im Spital und Altersheim. Das hat oftmals Einsamkeit und Angst intensiv spürbar gemacht.
      Nun aber, am Pfingstfest, können wir wieder in der Kirche beisammen sein und miteinander das Fest Pfingsten feiern. Darum ist es gut, auf den grundlegenden Inhalt dieses wichtigen christlichen Festes einzugehen.
      Im Evangelium haben wir gehört, dass JESUS die Jünger angehaucht hat und dazu sagte: „Empfanget heiligen Geist!“
      Das Anhauchen ist in der biblischen Offenbarung eine wichtige Tat. Wir haben heute in der Lesung aus dem Ersten Buch der Bibel gehört: „Da formte GOTT den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen“.
      Der Atem, dieser Hauch GOTTES, schenkt dem Adam Leben. Das  hebräische Wort „Adam“ heisst wörtlich übesetzt „Erdling“. Mystisch gesprochen wird der „Erdling“ durch diese Urbeatmung an den Atem GOTTES angeschlossen.
       Wie lebensnotwendig für den Menschen die Verbindung mit dem Atem GOTTES ist, zeigt auch Psalm 104, wo es heisst:

                  „Du schickst aus deinen Hauch, sie werden erschaffen,
                  und du erneuerst das Antlitz der Erde.“ (Ps 104,30)

      Gemäss der biblischen Lebenserfahrung lebt alles Lebendige durch den Hauch GOTTES. Die Juden als Volk GOTTES waren immer überzeugt, dass der Geisthauch GOTTES die Welt durchatmet und so die Lebendigkeit des Menschen und der ganzen Schöpfung ermöglicht.
      Diese biblischen Vorstellungen und Erfahrungen sind der bildhafte Hintergrund für die eindrückliche Erzählung, wie JESUS im Johannesevangelium die Jünger und Jüngerinnen mit seinem Atem anhaucht. Und es ist auch wunderbar, wie JESUS die Verängstigten anspricht: Nicht mit tadelnden Worten oder Vorschriften: Ihr müsst das und das tun!, sondern mit dem aufmunternden Wunsch: „Friede sei mit euch!“
      Um diesen Frieden fühlbar zu machen, haucht JESUS sie an, so wie eine Mutter ihr Kind, das gestürzt ist, in den Arm nimmt und streichelt, tröstet und über die Wunden haucht: „Ich bin doch mit dir“.
      So lässt JESUS seine verängstigten Jünger und Jüngerinnen und auch uns erfahren: Der Hauch GOTTES bewegt dich und dein  Leben. Du kannst leben im Geist der Geschwisterlichkeit, der Versöhnung, der Gerechtigkeit, im Geist des Trostes, des Heilens und Helfens. Durch den Hauch GOTTES ist euch eine wunderbare Kraft geschenkt für euer menschliches Sein und Leben.
      Im Anhauchen der Jünger und Jüngerinnen wiederholt sich überbietend die Anhauchung Adams durch den Atem des Schöpfergottes. Es ist eine Neu-Werdung durch den Hauch GOTTES.
      Heute, am Pfingstfest 2020, ist durch die Corona-Pandemie eine ganz besondere Zeit. Eine Zeit, die durch ihren Hauch, durch ihr Brausen oder ihren Sturm uns anregen kann zu verschiedenen Reaktionen und Taten, je nach unseren eigenen Möglichkeiten und Talenten.
      Ich wünsche uns allen, dass diese besondere Zeit der Corona-Pandemie eine von GOTTES Geisthauch bewegte Zeit wird, eine Zeit, wo wir Vertrauen, Hoffnung und Liebe erfahren und auch schenken und so beitragen zum Frieden in unserem eigenen Herzen und in unserer persönlichen und in der weltweiten, globalisierten Welt.

JESUS CHRISTUS spricht auch zu uns heute:
Friede sei mit euch!
ER haucht auch uns an und spricht:
Empfanget heiligen Geist!

      Am Schluss des Gottesdienstes noch zwei Gedanken auf den Weg: In dieser Pandemie-Zeit wurden die Menschen ab 65 und dann besonders ab 80 Lebensjahren als besonders für sich und für die andern krankheitsgefährdend eingestuft. Das ist für ältere Menschen oftmals nicht so einfach zu ertragen.
      Darum möchte ich jetzt unseren älteren Mitmenschen zwei anregende Gedanken zum Alter mit auf den Weg geben.
      Der erste Gedanke stammt vom Chinesischen Schriftsteller Lin Yu Tang, der 1976  81-Jährig verstorben ist. Lin Yu Tang hat formuliert: 

Dans la jeunesse, la beauté est un accident de la nature.
Dans la vieillesse, c’est une oeuvre d’art.

         In der Jugend ist die Schönheit ein Zufall der Natur.
         Im Alter ist sie ein Kunstwerk.

Der zweite Gedanke stammt vom berühmten Dichter Victor Hugo, der 1885 als 83-jähriger verstorben ist.  Victor Hugo hat festgestellt:

Dans les yeux des jeunes, on voit des flammes,
mais dans les yeux des anciens, ony voit la lumière.

         In den Augen der Jungen sieht man Flammen,
         aber in den Augen der Alten sieht man das Licht.

Hans Schwegler






Predigtgedanken zu Christi Himmelfahrt 2020


Liebe Hörerin, lieber Hörer

        Seit vielen Jahren sitze ich jeweils am Mittwochabend vor Christi Himmelfahrt in unserer St. Anna-Kirche. Ich sammle meine Gedanken und bitte um eine gute Firmfahrt mit den Firmlingen und den Begleitern über Christi Himmelfahrt. Danach fahren wir mit dem Car vom forum-Parkplatz los. Durch die Nacht. Zürich, Bellinzona, Milano, Parma, Bologna bis wir früh morgens im jeweils menschenleeren Florenz ankommen. Später fahren wir weiter nach La Verna, eine Region, in die sich der heilige Francesco, wenn es ihm zu viel wurde in Assisi, zurückzog; La Verna, wo er der Legende nach, seine Wundmale bekam. An diesem wunderschönen Ort – auf diesem Hügel habe ich in all den Jahren sehr viele, tiefe, spirituelle Momente mit den Jugendlichen unserer Pfarrei erfahren dürfen. Auch Gespräche über das Leben, und seinen Sinn. Wir sangen Lieder, diskutierten, assen fein italienisch, lachten und redeten bis tief in die Nacht. Natürlich müssen die diesjährigen Firmlinge heute auf diese abenteuerliche, und zugleich besinnliche Reise verzichten.

    Dieses Jahr werde ich mich wieder in die Kirche setzen, am Mittwochabend, und eine Kerze anzünden, und an die Jugendlichen dieses Firmkurses denken; ihre Lebenssituationen, ihre Anliegen versuchen zu erahnen und sie zusammen mit meinen Bitten GOTT anvertrauen.

    Tja, und dann werde ich zum ersten Mal nach einigen Jahren wieder einmal mit meiner Familie Himmelfahrt feiern. Aber wie mach ich das? Gründonnerstag haben wir ein Brot gebacken und es geteilt. In der Osternacht machten wir ein Feuer und schliefen draussen. Aber Himmelfahrt? Schwierig. Brot miteinander teilen heisst miteinander danken, Kraft schöpfen. Ein Feuer entzünden heisst erfahren wie Licht und Wärme Dunkel und Kälte erträglich macht, Auferweckung sinnlich erfahrbar macht.
Aber Christi Himmelfahrt? 2020? In der aktuellen Situation? Oder überhaupt. Christi Himmelfahrt. Was hat Himmelfahrt mit Ihnen, mit mir heute zu tun?

Hören wir erstmal auf den Bibeltext von heute aus der Apostelgeschichte im neuen Testament:

Vierzig Tage hindurch ist Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern nach seinem Tod erschienen. Beim gemeinsamen Mahl nun sagte Jesus: «Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet. Ihr werdet schon in wenigen Tagen mit dem Geist GOTTES getauft und gestärkt werden.» Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie ihm zum Himmel empor nachschauten, standen plötzlich zwei Männer in weissen Gewändern neben ihnen und sagten: «Ihr Männer, ihr Frauen von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?»

Soweit der Text. Warum beschreibt da der Verfasser dieses Textes so anschaulich, wie und dass Jesus in den Himmel aufgenommen wird?

Es hilft, sich etwas zu vergegenwärtigen: Dass Jesus am Kreuz gestorben ist, war für alle seine Freunde und Freundinnen eine Katastrophe, ein Trauma, eine riesige Verunsicherung. Den Tod am Kreuz sind Angeklagte, Verbrecher gestorben. Viele damals starben an einem Kreuz. Dass ihr Freund Jesus auf diese Art sterben musste, konnten die Jünger und Jüngerinnen nicht verstehen. «War GOTT wohl doch nicht mit ihm?» werden sie sich gefragt haben. «Haben wir vergebens unsere Familien, unsere Heimat verlassen? Haben wir all unsere Hoffnung auf den Falschen gesetzt?» So dachten sie wohl, die Jüngerinnen, die Jünger. Erst im Laufe der Zeit, der Wochen, Monate, Jahre – wir wissen es nicht genau – haben sie etwas erfahren. Nämlich: Jesus ist spürbar, hörbar. Er ist da. Er lebt. Aber er ist nicht mehr fassbar da, er ist bei GOTT. Er ist im Himmel.

Christi Himmelfahrt ist also vielleicht ein Bild für diese Erfahrung. Die Erfahrung, die die Jünger und Jüngerinnen gemacht haben.
    Dass sie 40 Tage nach der Trennung von Jesus angesetzt wird ist auch kein Zufall. 40 Jahre wanderten die Israeliten bis sie ankamen im gelobten erträumten Land. 40 Tage zog sich Jesus in die Wüste zurück um zu seiner Berufung zu finden. Und eben 40 Tage spürten und sahen die Jüngerinnen Jesus immer wieder nach seinem Tod; 40 Tage lang trauerten sie, spürten sie ihn immer wieder, sahen ihn, zweifelten aber auch, ängstigten sie sich, bis sie schliesslich zum Vertrauen fanden: Er ist bei GOTT. Als ob die 40 irgendwie steht für Entwicklungs- und Verwandlungs- und Suchprozesse.

    Und die dauern. Wer schon trauerte um einen lieben Menschen, weiss das. Wer schon Krisen durchlebt hat, weiss das. Es gibt Probleme, die können gelöst werden und es gibt Situationen, die müssen ausgehalten werden, oder mit vielen Anläufen, Versuchen und Rückschlägen, und kleinen Schrittchen errungen werden. Christi Himmelfahrt erinnert uns, dass die Freunde von Jesus genau diese Erfahrung gemacht haben. Und diese Erfahrung wurde verdichtet in diesem bewegenden Bild von Jesus, der auffährt in die Himmel. Und so lädt die Erfahrung der Jüngerinnen und Jünger uns ein, selber über unser Leben nachzudenken.

    Tut es mir gut zu hören «40 Tage nach Jesu Tod»; habe ich auch schon erlebt, wie ich nach einer grossen Enttäuschung lange Zeit brauchte – symbolische 40 Tage, Wochen, Jahre – um ins Staunen zu kommen, Versöhnung mit etwas aus meinem Leben oder mit jemandem geschenkt bekommen zu haben?

    Tröstet mich das Bild; das Bild von Jesus, der auffährt in den Himmel, ins Ewige; der eingeht in die Liebe GOTTES, wie ich eines Tages? Oder habe ich andere Bilder in mir, die meine Hoffnung von meinem Eingehen in GOTT veranschaulichen?

    Habe ich auch schon aus lauter Freude und Verzückung etwas den Blick für das, was in meiner unmittelbaren Nähe geschieht verloren? «Ihr Männer, ihr Frauen von Galiläa! Was schaut ihr in den Himmel? Hier, jetzt, ist das Leben! Los. Tut etwas. Kleines. Lebt, was euer Meister gelebt hat. Geht in seiner Spur. Das Leben geht weiter. Ihr wisst nun, es mündet in GOTT, aber noch nicht für euch. Es gilt der Moment, der gegenwärtige Augenblick, die Begegnung heute!»

    Liebe Hörerin, lieber Hörer. «Hab Geduld» sagt mir das heutige Fest Christi Himmelfahrt. Der Weg nach einer Krise zu einem inneren Frieden, zur inneren Kraft wieder aufzubrechen, braucht Zeit. Und dieser Weg ist mit Zweifel, mit Unsicherheit, mit Trauer, aber auch mit Aufstellern und Überraschungen gesäumt.

    Und ich darf den Blick vom Himmel auf die Erde lenken. Und mich den kleinen, eigentlich aber wesentlichen Aufgaben zuwenden: Dem Abwasch, dem Zuhören meiner Tochter am Mittagstisch, dem Aushalten des schweigsamen Sich-Abwendens meines ältesten Sohnes, den blökenden neugeborenen Schafen, denen ich auf meinem Morgenspaziergang begegne, dem Schreiben einer Karte für jemanden, an den oder die ich gerade denke. Und das alles im Vertrauen, dass wir von GOTT, dem Urgrund allen Lebens, dass wir von dieser Urkraft geliebt sind, und letztlich all unser Sein und Tun und Lieben und Nicht-Wissen in seiner Hand geborgen ist.

    Ein Lied, das ich oft schon in Zeiten des Geduld-Haben-Müssens, auf dem symbolischen 40tägigen Weg, gesungen oder gesummt habe, sie kennen es auch, ist das Lied «Meine Hoffnung und meine Freude». Sie sind herzlich eingeladen miteinzustimmen.

Meine Hoffnung und meine Freude,
meine Stärke, mein Licht
Christus, meine Zuversicht,
auf dich vertrau’ ich und fürcht’ mich nicht.
Auf dich vertrau’ ich und fürcht’ mich nicht.
Mathias Burkart


Sendung auf HOMEPAGE für Sontag, 17. Mai 2020

Zur Einstimmung

Einige Takte aus der Kantate „Jesus bleibet meine Freude“ von J. S. BACH 

 Einführung und Lesung

Liebe Hörerin! Lieber Hörer!

      In diesen Frühlingswochen durchleben wir alle eine besondere Zeit. Die Corona-Pandemiebeeinflusst und begrenzt unser persönliches, privates, familiäres und auch unser gemeinschaftliches Leben.
      Das Osterfest 2020 und der „Weisse Sonntag“ sind still und wenig festlich vorbeigegangen. Nun ist bereits der 6. Ostersonntag. Da verkündet uns die Liturgie einen Ausschnitt aus dem ersten Petrusbrief. Darüber möchte ich jetzt mit Ihnen etwas nachdenken.
      Der erste Petrusbrief gehört zu den sieben Schreiben im Neuen Testament, die man seit alters als „Katholische Briefe“ bezeichnet. Sie haben keine strenge Briefform, sondern eher den Charakter von einem Animationsschreiben.
      Entstanden ist  der erste Petrusbrief wahrscheinlich in Rom. Die Zustände und Verhältnisse, die sich darin spiegeln, deuten auf eine Abfassung am Anfang der 90er-Jahre hin.
      Hören wir nun einen kleinen Ausschnitt aus diesem ermutigenden Lehrschreiben an die junge Christenheit!

 Lesung aus dem ersten Brief des Apostel Petrus
(1 Petrus 3,15-18)

      Schwestern und Brüder!
Heiligt in euren Herzen CHRISTUS, den Herrn! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort  zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt; antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen, damit jene, die euren rechtschaffenen Lebenswandel in CHRISTUS in schlechten Ruf bringen, wegen ihrer Verleumdungen beschämt werden. Denn es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es GOTTES Wille ist, als für böse.
      Denn auch CHRISTUS ist der Sünde wegen ein einziges Mal gestorben, ein Gerechter für Ungerechte, damit er euch zu GOTT hinführe, nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet, aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde.

      Soweit die Lesung zum heutigen Sonntag aus dem ersten Petrusbrief!

Predigtwort

      Der erste Petrusbrief richtetet sich an Christengemeinden, die in einer Diaspora-Situationleben, östlich von Griechenland, also im Gebiet der heutigen Türkei.
      Als kleine christliche Gruppe in einer grossen Mehrheit von Nichtchristen haben die Christen damals zuweilen gelitten unter VerachtungBenachteiligung und Bedrohungen. Der erste Petrusbrief wollte die Christen in dieser schwierigen Situation ermutigen und stärken.
      Das war vor 1900 Jahren. Was aber können diese Worte uns heute sagen?
      Man kann sich fragen: Leben wir Christen heute in unserer modernen, säkularisierten Welt nicht auch in einer Art Diasporasituation? Jedenfalls regen schon die ersten Sätze unserer heutigen Lesung an zum Nachdenken, wenn es da heisst:
      Heiligt in euren Herzen CHRISTUS, den Herrn! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort  zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt; antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig...
       „Heiligt in eurem Herzen CHRISTUS“ bedeutet in unserer Sprache heute: bekennt und ehrtJESUS, den Gekreuzigten und Auferweckten als die biblische Rettergestalt, die hebräisch MESSIAS und griechisch CHRISTUS genannt wird.
      Der Petrusbrief ermutigte die bedrängten Christen damals und will auch uns heute anspornen: Wir sollen CHRISTUS ehren und ihm vertrauen für das, was er für uns  Christen wirklich istUnser Kyrios, das heisst heute: unser Lehrer, unser Meister, unser Vorbild, unser Ermutiger, unser innigster Freund.
      Das soll JESUS CHRISTUS für uns sein, und zwar zutiefst in unseren Herzen, d.h. mit unserer Liebe und mit unserer Entscheidungskraft, in unserem Verhalten und in unseremWirken. Wir sollen so in der Spur JESU CHRISTI versuchen zu leben und zu handeln, zu vertrauenhoffen und lieben.
      Für das Verhalten gegenüber anders denkenden und andersglaubenden Menschen gibt der Petrusbrief den Rat: „Jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt; antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig“.
      Wir werden damit ermutig zu einem Lebensstil und Verhalten von Vertrauen, von Zuwendung und Mitmenschlichkeit; so wie wir das in der Person und der liebenden Begegnung mit JESUS CHRISTUS immer wieder erfahren.
      Charlie Chaplin, dieser Weltstar des Kinos mit berühmt gewordenen Filmen wie z.B.: The KidGoldrauschModern TimesDer grosse DiktatorLimelight, dieser begnadete Mensch hat in der Rede zu seinem 70. Geburtstag in säkularer Sprache etwas ausgesprochen, zu dem auch der Petrusbrief anregt. Von den 10 Punkten seiner Rede nenne ich hier kurz zwei. Chaplin bekannte:
      „Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen. So habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt: Das nennt man DEMUT.
      Als ich mich selbst zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig und krank machen kann. Als ich jedoch meine Herzkräfte anforderte, bekam der Verstand einen wichtigen Partner. Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.“
      Unser Petrusbrief regt uns an, JESUS CHRISTUS so in unser Leben hineinzunehmen, dass wir tagtäglich versuchen in der  Spur JESU zu leben, das heisst also: so zu denken und zu wirken, zu vertrauenhoffen und lieben.
      In diesem Sinne ermutigen uns auch die Worte aus dem heutigen Sonntagsevangelium, wo JESUS spricht: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. ... Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; ...“

      Die allgemeine Frage, ob wir Christen heute in unserer modernen, säkularisierten Welt nicht auch in einer Art Diaspora-Situation leben, können wir jetzt konkretisieren mit den Fragen:
      - Was kann die heutige  Situation der Corona-Pandemie mir selbst, meiner Familie und unserer Gesellschaft heute sagen?
      Was kann ich, was können wir daraus lernen?
      
- Was bringt diese einzigartige Zeit seelisch mir persönlich, meiner Familie und uns als Gemeinschaft?
      - 
 Wie lebe ich in solcher Zeit echt in der Spur JESU?

      Jede und jeder von uns hat besondere Talente und besondere Begabungen, um diese neue Situation mit VertrauenHoffnung und Liebe zu leben.

Schlusswort

      Für die kommenden Schritte in diesen besonderen Tagen wünsche ich uns allen GOTTES Segen mit GesundheitVertrauenHoffnung und Liebe im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! + + +
      Abschliessend erfreut uns nun  Orgelmusik aus der Kantate „JESUS bleibet meine Freude“ von Johann Sebastian BACH, gespielt vom Meisterorganisten Gilberto Fischli auf der Orgel unserer St. Annakirche.

 Musik

Schlussakkord aus „JESUS bleibet meine Freude" von Johann Sebastian BACH.

Hans Schwegler