Predigt Gedanken


30. Sonntag im Jahrkreis B

23. / 24. Oktober 2021
Samstag / Sonntag

Hinweise zu Lesung und Evangelium

      Die Geschichte von Menschen und Völkern ist ein lebendiges Geschehen. Viele biblische Aussagen sind angeregt durch die Erfahrung lebendigen Geschehens in Israel und in den umgebenden Völker. Propheten wie Jesaja und Jeremia deuten diese Erfahrungen im Lichte ihres Glaubens an den einen GOTT.
      Die heutige Lesung zeigt das einprägsam. Die Heilsworte des Propheten Jeremia, aus denen wir heute einen kleinen Teil hören, galten ursprünglich dem Volk Israel im Nordreich um Samaria, das 722 v.Chr. nach Assyrien verschleppt wurde. Die aus ihrer Heimat verschleppten Menschen haben aus diesen Verheissungen Hoffnung und Zuversicht geschöpft.
      Nach der Eroberung von Jerusalem durch Babylon, 587 v. Chr., hat man diese prophetischen Worte auch angewendet auf die ins Exil nach Babylon gezwungenen Judäer. Die Heilsworte von Jeremia gaben dem judäischen Volk Kraft und Mut und liessen es an eine bessere Zukunft glauben.
      Hören wir gut! 

Lesung aus dem Buch der Jeremia
(Jeremia 31,7-9)

      So spricht der HERR: Jubelt Jakob voll Freude zu und jauchzt über das Haupt der Völker! Verkündet, lobsingt und sagt: Rette, HERR, dein Volk, den Rest Israels!
      Siehe, ich bringe sie heim aus dem Nordland und sammle sie von den Enden der Erde, unter ihnen Blinde und Lahme, Schwangere und Wöchnerinnen; als grosse Gemeinde kehren sie hierher zurück.
      Weinend kommen sie und in Erbarmen geleite ich sie. Ich führe sie an Wasserbäche, auf ebenem Weg, wo sie nicht straucheln. Denn ich bin Vater für Israel und Efraim ist mein Erstgeborener.

Lesung aus dem heiligen Evangelium nach Markus
(Markus 10,46b-52)

      In jener Zeit, als JESUS mit seinen Jüngern und einer grossen Menschenmenge Jericho verliess, sass am Weg ein blinder Bettler, Nartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, dass es JESUS von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, JESUS, hab Erbarmen mit mir! Viele befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
      JESUS blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf JESUS zu. Und JESUS fragte ihn: Was willst du, dass ich dir tue? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte sehen können.
      Da sagte JESUS zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dich gerettet. Im gleichen Augenblick konnte er sehen und er folgte JESUS auf seinem Weg nach.

Predigtwort
„Geh! Dein Glaube hat dich gerettet“

      In der heutigen Lesung haben wir Worte gehört, die aufgeschrieben sind im Buch des Propheten Jeremia. Heute, 2600 Jahre später, stellt sich uns die Frage: Haben diese Prophetenworte uns Christen auch heute noch etwas zu sagen?
      Dae Prüfen und Vergleichen der Situation Israels, des Nahen Osten damals und unserer Lebenssituation ergibt etwas Vergleichbares: Umbruch und Verunsicherung.
      Die Israeliten damals waren gewaltsam aus ihrer  gewohnten Umgebung vertrieben worden und lebten im Exil unter fremden Völkern. Das bewirkte damals Verunsicherung und Umbruch.
      Auch wir befinden uns heute in einem Umbruch. Unsere Situation in Europa ist zwar momentan ohne direkte Kriege. Sie macht aber heute manche Zeitgenossen fragend oder gar mutlos im Hinblick auf die Zukunft der Lebensmöglichkeiten auf unserer Erde und auch im Blick auf unser vertrauendes Leben auf GOTT.

      Bei solchen Umbrüchen und Verunsicherungen reagieren wir Menschen auf verschiedene Weisen:
      - Die einen werden mit der verunsichernden Situation nicht fertig und kehren ihrer Tradition, oder ihrem religiösen Glauben, oder der Kirche, oder ihrer Volksgemeinschaft den Rücken.
      - Andere trauern um alte Geborgenheiten und Sicherheiten.
      - Wieder andere verstehen die Umbruchsituation als eine Situation zum Aufbruch; sie werfen Altes ab und suchen nach neuen Möglichkeiten, um in moderner Gesellschaft aufbauend zu wirken und in veränderter Zeit lebensfördernd auf GOTT zu vertrauen.
      - Wieder andere suchen das Heil in kleinen Gemeinschaften und Sekten.

      Es gibt auch Suchende, die sehnen sich nach einer einflussreichen, mächtigen Gestalt mit wuchtigen Worten und grossen Taten. Andere wünschen sich ein deutlich sichtbares und erkennbares Eingreifen GOTTES. Wieder andere freuen sich über kleine Fortschritte im Glaubensverständnis und im friedlichem Zusammenleben von Religionen, Traditionen, Völker und Sprachen.
      Ich selbst empfinde, dass diese unsere moderne, vom Wandel geprägte Lebenssituation uns wieder neu und stark ins Bewusstsein ruft, dass nicht ich allein und selbständig mein Schicksal und mein Leben bestimme.
      Wenn wir zurückblicken auf die Bibel erkennen wir, dass die Erfahrungen von Volk und Propheten in Israel mit den eindrücklichen Worten „Hilf, GOTT, deinem Volk!“ und „Ich bin Vater für Israel“ auch für uns heute von Bedeutung sind. Es geht um das Grundvertrauen in unserem Leben: Letztlich ist es GOTT, der leitet, führt, sammelt und rettet.
      Auch das Neue Testament stärkt uns mit ermutigenden Erfahrungen. Im heutigen Evangeliumsabschnitt haben wir von der heilsamen Begegnung JESU mit dem Bettler Bartimäus gehört. JESUS ist da auf dem Weg vom schönen, sinnenfreudigen Jericho hinauf nach Jerusalem. Auf diesem Weg schreit der blinde Bettler Bartimäus zu JESUS: „Rabbuni, ich möchte sehen können!“
      Und JESUS sagt zu ihm: „Geh! Dein Glaube hat dich gerettet!“ „Im gleichen Augenblick konnte Bartimäus sehen und folgte JESUS auf seinem Weg nach.“ Diesem Menschen sind die Augen geöffnet worden für eine Wirklichkeit, die grösser und umfassender ist als Verunsicherung, Ängste und egozentrische Perspektive.
      JESUS echt nachzufolgen heisst wohl auch, sich mehr und mehr die Augen des Herzens öffnen lassen für neues, ewiges Leben.
      Antoine de Saint-Exupéry hat in seinem berührenden Büchlein „Le Petit Prince“ diese Wahrheit eindrücklich so formuliert: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
      Wir Menschen können nicht nur an den Augen erblinden, sondern häufiger auch am Herzen. Das fängt oft langsam an: Man findet zuerst kaum mehr Zeit, den Mitmenschen zu begegnen und ihnen mit Respekt zuzuhören. Mit der Zeit verengt sich das Blickfeld mehr und mehr bis man nur noch sich selbst und den eigenen Standpunkt wahrnimmt.
      Herzensblindheit ist jedoch heilbar. Immer ist es von neuem möglich, den Mitmenschen sein Auge und sein Herz zuzuwenden. Gerade unsere eigenartige Zeit der Pandemie mit ihren Beschränkungen kann uns anregen erneut mit dem Herzen gut zu sehen.
      Wie sehr haben wir doch in dieser Zeit der Pandemie und der Veränderungen gespürt, wie wichtig es ist, persönlichen, leibseelischen Kontakt mit Mitmenschen zu haben: Händedruck, Umarmung, miteinander Singen und anderes mehr hat uns erneut zu spüren gegeben, dass menschliches Leben noch mehr und noch anderes ist als Wissenschaft, Technik und Wohlstand. Es gibt noch etwas Grösseres als all dies im Leben: das ist die Liebe zueinander und zum grossen DU unseres Daseins.
      Ein Training für das „mit dem Herzen gut sehen“ kann auch folgendes sein: Ich nehme mir jeden Abend etwas Zeit für einen kurzen Tagesrückblick: Ich blicke ehrlich und dankbar zurück auf all das, was mir am heutigen Tag geschenkt wurde; wie z.B. eine inspirierende Begegnung, ein freundlicher Blick in der Migros, schönes Wetter, aber auch ärgerliches Vergessen, dann wieder eine gut gelungene Arbeit, ein gutes Essen, Gesundheit, wenig Schmerzen, gute Freunde.
      Und ein langsam gesprochenes Vater unser kann dann heilsam diesen abendlichen Rückblick beschliessen.

      Eine solche Art Tagesabschluss gibt das Gespür, dass ich loslassen darf und mich in GOTTES gute Hände geben kann. 

Denn GOTT, dem grossen DU unseres Lebens,
ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Hans Schwegler





28. Sonntag im Jahrkreis B

Samstag / Sonntag
9. / 10. Oktober 2021

Hinweise zu Lesung und Evangelium

      In unserer Zeit der Corona-Pandemie hört man öfters den Satz: „Das Wichtigste ist die Gesundheit“. Die heutige Lesung aus dem Buch der Weisheit zeigt uns neben Gesundheit und Schönheit einen anderen, wichtigen Aspekt menschlichen Lebens. Das Markusevangelium zum heutigen Sonntag erzählt uns eine innige Begegnung.

      Hören wir gut!

Lesung aus dem Buch der Weisheit
(Weisheit 7,7-11)

      Ich betete und es wurde mir Klugheit gegeben.; ich flehte und der Geist der Weisheit kam zu mir. Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr.
      Einen unschätzbaren Edelstein stellte ich ihr nicht gleich; denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm.
      Mehr als Gesundheit und Schönheit liebte ich sie und zog ihren Besitz dem Lichte vor; denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt.
      Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir, unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen.

Lesung aus dem heiligen Evangelium nach Markus
(Markus 10,17-30)

      In jener Zeit lief ein Mann auf Jesus zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?
      Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut ausser der eine Gott. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter!
      Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt.
      Da sah ihn Jesus an, umarmte ihn und sagte: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein grosses Vermögen.
      Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es in das Reich Gottes zu kommen! Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
      Sie aber gerieten über alle Massen ausser sich vor Schrecken und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.
      Da sagte Petrus zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.
      Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen. Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser und Brüder, Schwestern und Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben.

 Predigtwort
„Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“

      Das heutige Evangelium schildert uns eine besondere Erfahrung: Da kommt ein Mann zu JESUS, fällt vor ihm auf die Knie und fragt: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?
      JESUS kommt mit dem Mann in ein sehr persönliches Gespräch und JESUS ist innerlich sehr bewegt und umarmt den Mann. Andere Übersetzungen lauten auch: "JESUS sah ihn an und gewann ihn lieb" oder: "JESUS blickte ihn an und umarmte ihn voll Zuneigung".
      Die Situation ist berührend: JESUS umarmt den fremden Mann. Jesus liebt ihn und zeigt ihm seine Nähe und Liebe.
      Auf das hin sagt JESUS dem zum Freund gewordenen Mann ein ehrliches, aber folgenschweres Wort. Der Mann geht betroffen und traurig weg.
      Und auch JESUS ist betroffen und traurigen von dieser Trennung. Im Gespräch mit seinen Jüngern über die Frage, wer kann denn überhaupt noch gerettet werden schaut Jesus seine Jünger an und verkündet die wunderbare Hoffnung: "Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für GOTT; denn für GOTT ist alles möglich."
      Das Evangelium macht uns verlegen. Denn wir möchten wie dieser junge Mann beides zugleich sein: Reich und Jünger, reich und Jüngerin JESU.
      Oft wird dieser Aufruf des Evangeliums verharmlost, indem man sagt: Das ist nur etwas für Ordensleute. Es bleibt eine Anfrage an uns alle, wie wir mit unserem Reichtum, mit dem, was wir für uns zur Verfügung haben, umgehen.
      Der Mann, der im Evangelium Jesus begegnet, erfüllt die Gebote GOTTES. Er hat sich nichts vorzuwerfen. Auch JESUS wirft ihm nichts vor. Ja, er gewinnt den jungen Mann lieb, er umarmt ihn, wie es im Originaltext heisst. JESUS verwirft ihn nicht, aber er lädt ihn ein zu Grösserem. Da geht der junge Mann traurig weg. Sein Vermögen wird für ihn zur Barriere, die ihn hindert, JESUS ganz nachzufolgen.
      JESUS hat ihn lieb gewonnen und ist vermutlich selber traurig geworden, weil der lieb gewordene Mann es doch nicht über sich bringen konnte, ihm ganz nachzufolgen.
      Mich erinnert diese Szene an die Thesen vom Philosophen und Psychoanalytiker Erich Fromm, der gesagt hat: Es geht nicht darum, mehr zu haben, sondern darum, mehr zu sein. Dieses „mehr sein“ meint die Kommunikation unter den Menschen, die Überwindung der Isolation, die der Reichtum meistens mit sich bringt.      Das „mehr sein“ meint die Offenheit für andere Werte, die nie zu bezahlen sind, die Offenheit für andere Menschen, die vielleicht nicht „mehr haben“, aber einen inneren Reichtum in sich tragen, an dem ich teilhaben darf. Dieses „mehr sein“ meint auch das Gespür für das, was Sinn in mein Leben bringt.
      Im nachfolgenden Gespräch zwischen JESUS und Petrus, wird noch etwas Wichtiges sichtbar, nämlich:
      Die Erzählung spricht nicht von einer Strafe für den, der sich dem Ruf JESU entzieht, wohl aber vom Lohn der Jünger, die dem Ruf gefolgt sind.
      Jder und jede, die um JESU und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker zur Verfügung gestellt hat, wird das Hundertfache dafür empfangen.
      Und dieser Lohn für die Nachfolge wird von JESUS nicht rein ins Geistige oder ausschliesslich ins Jenseits verschoben, denn der Text der Frohen Botschaft sagt ausdrücklich: "Jetzt in dieser Zeit!" 

Ewiges Leben schon hier und heute!
Diese Erzählung im heutigen Evangelium
ist eine wunderbare Begegnung
mit JESUS, unserem guten Meister,
Bruder und Freund.

Hans Schwegler






24. Sontag im Jahrkreis B
Samstag / Sonntag
11. / 12. September 2021

Einführung in die Lesung
Jakobus 2,14 -18

      Die Lesung zum heutigen Sonntag ist ein Ausschnitt aus dem Jakobusbrief. Dieser Brief ist ein neutestamentliches Lehrschreiben aus den Jahren zwischen 65 und 90 im ersten Jahrhundert des Christentums.
      Der Jakobusbrief will die Christen ermahnen, auf dem Weg der Gerechtigkeit zu bleiben. Der Brief bemüht sich um eine echte und gute Zuordnung von Glauben und Tätigkeit, von Glaube und Weisheit, von Reden und Tun im Sinne des christlichen Glaubens.
      Das Thema Glaube und Werke war einer der wichtigsten Streitpunkte in der Reformation vor 500 Jahren. Martin Luther sah im Wichtignehmen des menschlichen Tuns und Wirkens einen Verrat und eine Verminderung des Glaubens an GOTT; der Gottesglaube sei doch ein absolutes Geschenk GOTTES!
      Heute berührt dieser Streit nicht mehr stark. Wir Christen verschiedener Konfessionen sind uns heute darin einig: Der Glaube ist eine Gabe GOTTES und wer glaubt, möchte aus dieser Überzeugung  heraus auch sein Leben gestalten. Der Glaube soll sich bewähren im Umgang mit unseren Mitmenschen und auch in unserem Tun und Wirken.
      Hören wir gut!

 Lesung aus dem Jakobusbrief
(Jakobus 2,14-18)

      Meine Schwestern und Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?
      Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung sind und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat.
      Aber es könnte einer sagen: Du hast Glauben und ich kann Werke vorweisen; zeige mir deinen Glauben ohne die Werke und ich zeige dir aus meinen Werken den Glauben.

Lesung aus dem Evangelium nach Markus
(Markus 8,27-35)

      In jener Zeit ging Jesus mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsaréa Philippi. Auf dem Weg fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten.
      Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der CHRISTUS! Doch er gebot ihnen, niemandem etwas über ihn zu sagen.
      Dann begann er, sie darüber zu belehren: der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Und er redete mit Freimut darüber.
      Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen. Jesus aber wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Tritt hinter mich, du Satan! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
      Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
      Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.

 Predigtwort
Glauben und Wirken

      Was ist wichtiger: Stiller Glaube im Herzen und Beten und Vertrauen auf GOTT oder Wirken und Tun in Liebe zu GOTT und zu den Mitmenschen?
      Was ist wichtiger: Glauben oder Tun?
      Der Jakobusbrief sagt da ganz klar: Beides ist für uns Christen wichtig: Sowohl der Glaube, also das VERTRAUEN auf GOTT wie auch das Tun und Wirken aus diesem Glauben und Vertrauen.
      Die heutige Lesung betont: Glaube ohne Werke ist tot.
      Über mehr als dreitausend Jahre gilt es die Erfahrung, dass im Gottesdienst, im gemeinsamen Beten und Feiern, das Vertrauen auf GOTTES Liebe und Kraft gestärkt wird. Gottesglauben und Gottvertrauen braucht Gemeinschaft.
      Aus dieser Glaubenskraft wachsen unsere Taten der Liebe zu den Mitmenschen. Motiviert von dieser Gotteskraft denken wir in der heutigen global verbundenen Welt nicht nur an unsere unmittelbaren Nächsten, sondern auch an Mitmenschen in der weiten Welt.
      Wir müssen dazu nicht unbedingt Fachleute in politischen und wirtschaftlichen Fragen sein. Als gläubige Christen sollen wir jedoch wesentlich unser christliches Ziel vor Augen haben: nämlich Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung für alle Menschen auf Erden. Auch wenn wir den Weg nicht klar erkennen können, so ist uns doch das Ziel klar vorgegeben, nämlich GOTTES Option für die Armen.
      Echtes Gottvertrauen motiviert, den Mitmenschen Gutes zu tun, soviel mir eben möglich ist.
      So hat unser Papst Franziskus unlängst wörtlich gesagt: «Beten wir, dass wir alle mutige Entscheidungen, das heisst die für einfachen und umweltbewusst nachhaltigen Lebensstil notwendigen Entscheidungen treffen, und uns über die jungen Menschen freuen, die sich bereits für diese Veränderung einsetzen.»
      So das aktuelle Wort von unserem Papst Franziskus!
      Zu all dem müssen wir allerdings auch hinzufügen, dass eine Überbetonung der eigenen gute Werke auch in die Irre führen kann. Selbstgerechtigkeit ist keine Tugend. Das demütige Erkennen unserer eigenen Grenzen und unserer eigenen Fehlbarkeit sollen wir bei allem guten Tun und Wirken nicht vergessen.
      So sagt JESUS im heutigen Evangelium seinen Jüngern und der Volksmenge, die bei ihm war: „Wenn einer mir folgen will, verleugne er sich und trage sein Kreuz und folge mir!“
      JESUS ist nach der authentischen Überlieferung furchtlos, unabhängig und von grosser Klarheit. Er ist sensibel, aber innerlich gehalten. Bewegt vom Willen GOTTES kommt bei JESUS zum Ausdruck, dass GOTT nicht Strafe will, sondern Versöhnung und Frieden.
      Möge doch der christliche Glauben auch uns stets von neuem inspirieren zu echtem Gottvertrauen und zu tatkräftigem, gutem Wirken.

Mögen wir uns immer wieder gegenseitig ermutigen,
lebendig zu glauben und tatkräftig zu wirken
mit Gottvertrauen und Liebe zu den Menschen
in der Nähe und weltweit!

Hans Schwegler