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27. Sonntag im Jahreskreis C
Sonntag, 6. Oktober 2019

Einführung in die Lesung
(2 Tim 1,6-8.13-14)

     Die Lesung zum heutigen Sonntag ist aus dem 2. Brief an Timotheus. Der erste und  zweite Timotheusbrief und der Titusbrief werden als „Pastoralbriefe“ bezeichnet, weil sie nicht an Gemeinden, sondern an Vorsteher einer Gemeinde gerichtet sind. Man nimmt an, dass sie im Übergang vom ersten zum zweiten Jahrhundert, also in der dritten christlichen Generation, entstanden sind.
     Der kurze Abschnitt unserer Lesung erinnert eindringlich, dass GOTT nicht einen Geist der Verzagtheit schenkt, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Hören wir gut!

Lesung aus zweiten Timotheusbrief
(2 Timotheus 1,6-8.13-14)

     Mein Sohn! Ich rufe dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen; schäme dich auch meiner nicht, der ich seinetwegen im Gefängnis bin, sondern leide mit mir für das Evangelium. Gott gibt dazu die Kraft.
     Als Vorbild gesunder Worte halte fest, was du von mir gehört hast in Glaube und Liebe in Christus Jesus!
     Bewahre das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt!   

Lesung aus der Frohen Botschaft nach Lukas
(Lukas 17,5-6)

     In jener Zeit baten die Apostel den Herrn: Stärke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr hierzu diesem Maulbeerbaum sagen: Entwurzle dich und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen. 

Predigtwort
„Stärke unseren Glauben!“

     Unser heutiges Evangelium beginnt mit dem Ruf der Apostel zu JESUS: „Stärke unseren Glauben!“ So können auch wir Christen  im 21. Jahrhundert heute beten und bitten.
     In unserem christlichen Glauben geht es nicht in erster Linie um etwas Spektakuläres, Aussergewöhnliches; es geht vielmehr um das Kleine und Gewöhnliche in unserem Leben. Vertrauen auf die Güte GOTTES wird zuerst im Kleinen gelebt und bewährt.
     Der deutsche Dichter Christian Morgenstern hat mal geschrieben: „Es ist schwerer, einen Tag in Aufmerksamkeit und Wachsamkeit zu verleben, als ein Jahr in grossen Absichten und hochfliegenden Plänen.“
     Wir können uns heute wieder mal  fragen: Ist unser Vertrauen auf GOTT, unser Glauben an GOTT, nicht oftmals zu abstrakt, zu theoretisch, zu wenig mit unserem Alltag verbunden?
     Die heutige Lesung gibt uns da einen überraschenden Anstoss mit der Aufforderung: Schäme dich nicht, Zeugnis für das Vertrauen auf JESUS CHRISTUS abzulegen. GOTT gibt dazu die Kraft! Wir sollen also die Scham überwinden, die uns abhält, zum Gottesglauben zu stehen, zum Vertrauen auf GOTT und zur Zugehörigkeit zur Kirche.
     Mir scheint, das ist heute in unserer westlichen Welt ein höchst aktueller Gedanke. In unserer säkularen Gesellschaft wächst die Scham vor dem Religiösen. Wer betet heute im Restaurant oder an einem Festessen noch ein Tischgebet? Wer bekennt sich am Arbeitsplatz dazu, dass er am Sonntag in die Kirche geht?
     Diese aktuelle Situation bei uns heute bedenkt auch Lorenz Marti in seinem neuen Buch: „Türen auf!“ Im Kapitel „Ein heikles Thema“ bekennt Lorenz Marti:
     „Religion ist für viele ein Reizwort. Wenn ich nicht weiss, was dieser Begriff bei einem anderen Menschen auslöst, verzichte ich lieber auf ihn. Er könnte zum Hindernis werden und das Gespräch blockieren.
     Ehrlich gesagt mag ich auch nicht immer gegen all die Urteile und Vorurteile argumentieren, die ihn umranken: heuchlerische Frömmigkeit, Fundamentalismus, verlogene Moral, Dogmatismus, fragwürdige geistliche Autoritäten, Unvernunft, Denkschwäche, Naivität und so weiter. All diese Vorwürfe sind ja nicht aus der Luft gegriffen. Aber sie sind einseitig und entspringen einer negativ verzerrten Sichtweise. Dem vielschichtigen Phänomen des Religiösen werden sie nicht gerecht.
     Aber sie haben ihre Wirkung. Sie können den Zugang zu diesem Thema versperren. Schade. Denn das Thema ist zentral. Es ist wichtig. Schliesslich geht es um den Grund unseres Seins. Um das, was uns zutiefst angeht, worauf wir vertrauen und wovon wir leben. Darüber dürfen und müssen wir reden.
     Und zwar nicht abstrakt und allgemein, sondern konkret und persönlich. Das ist heikel, braucht Mut und viel Fingerspitzengefühl. ...
     Diese Themen müssen zur Sprache kommen! ... Beziehungen verkümmern und Menschen vereinsamen, wenn die Fragen nach massgebenden Werten und tragenden Gewissheiten ausgeblendet werden. ...“

Soviel von Lorenz Marti in seinem neuen Buch! 

     Schon vor 1900 Jahren wurden Christen durch das Lukasevangelium und den Timotheusbrief zu solchem Mut und Gottvertrauen angeregt.
     Und auch für uns heute ist die biblische Bitte aktuell und wichtig: „GOTT, stärke unseren Glauben!“ „GOTT, stärke unseren Glauben!“
     Und die Aufforderung im Timotheusbrief gilt auch für uns Christen heute: „Schäme dich nicht, Zeugnis abzulegen für JESUS CHRISTUS und dein Vertrauen und deine Liebe zu IHM.“

Schämen wir uns nicht,
ZEUGNIS ab zulegen für JESUS CHRISTUS
und unser VERTRAUEN und unsere LIEBE zu IHM.

 


Kreuzerhöhung – Eidg. Bettag
Samstag, 14. September 2019 

 

Einführung in die Lesung 

    Die Lesung am heutigen Fest Kreuzerhöhung bringt einen kleinen Abschnitt aus dem Buch Numeri, also aus dem 4. Buch in der hebräischen Bibel.
    Das Buch Numeri schildert Erfahrungen auf dem Weg des Volkes Jisssrael nach dem Bundesschluss am Sinai.
    Verschiedene Erfahrungen in der Wüste werden in diesem Buch erzählerisch dargestellt. Viele dieser Erzählungen beschreiben, wie Jissrael in der Wüste „von innen und aussen“ bedroht ist und wie GOTT immer wieder schützend und rettend eingreift. Die heutige Lesung bringt eine besonders anschauliche Erzählung. Hören wir gut!

 

Lesung aus dem Buch Numeri
(Numeri 21,4-9) 

 

    In jenen Tagen brachen die Israeliten vom Berg Hor auf und schlugen die Richtung zum Roten Meer ein, um Edom zu umgehen. Das Volk aber verlor auf dem Weg die Geduld, es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf und sagte: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Etwa damit wir in der Wüste sterben? Es gibt weder Brot noch Wasser und es ekelt uns vor dieser elenden Nahrung.
    Da schickte ADONAI Feuerschlangen unter das Volk. Sie bissen das Volk und viel Volk aus Jissrael starb.
    Da kam das Volk zu Mose und sagte: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen ADONAI und gegen dich aufgelehnt. Bete zu ADONAI, dass er uns von den Schlangen befreit! Da betete Mose für das Volk.
    ADONAI sprach zu Mose: Mach dir eine Feuerschlange und hänge sie an einer Stange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht.
    Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Stange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zur Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben.  

 

Lesung aus dem Evangelium nach Johannes
(Johannes 3,13-17)

 

    In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodemus: Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen ausser dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.
    Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.
    Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.
    Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. 

 

Predigtwort
„Im Kreuz ist Heil“

 

    Was wir eben im Evangelium gehört haben ist ein kleiner Ausschnitt aus einem Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus, einem Mitglied des jüdischen Hohen Rates.
     Der gebildete, orthodox Jude Nikodemus, soll erkennen, dass jeder Mensch, der an JESUS CHRISTUS glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Er soll etwas vom tieferen Geheimnis der Person JESU Christi erkennen.
    Um diese Wirklichkeit intensiv erfahrbar zu machen, greift das Johannesevangelium zurück auf ein eindrückliches Beispiel in der hebräischen Bibel.
    Im Buch Numeri wird erzählt, dass die Israeliten von Schlangen geplagt und dezimiert wurden. Enttäuschung, Widerwillen und Resignation erfasste die bedrängten Israeliten. Auf GOTTES Weisung hin lässt Moses eine Schlange aus Kupfer anfertigen und an einer Stange gut sichtbar aufhängen.
    Wer von einer Schlange gebissen wird, soll zu der erhöhten Schlange hinaufschauen. Und, oh Wunder! es geschah: wer zur Schlange aufblickte und sie betrachtete, blieb am Leben.
     Medizinisch ist heute bekannt: Wenn Menschen von Schlangen gebissen werden, wirkt das Gift nicht in jedem Fall tödlich. Oft ist es die panische Angst, die entscheidend mithilft zum Tod. Wenn es dem Patienten gelingt, sich von dieser panischen Angst zu befreien, bleibt er fast immer am Leben. Vertrauen ist hier der Gegenpol zur lebensbedrohenden Angst und bewirkt innere Ruhe und Leben.
    So wird das Aufblicken zur erhöhten Schlange zu einem starken Vorbild und Symbol für die Haltung des gläubigen, vertrauenden Menschen. Wer auch in der Gefahr noch seinen Blick hebt und Vertrauen schöpft bei GOTT, dem Urgrund allen Lebens, der wird seelisch in der Gefahr nicht untergehen.
    Die biblische Erzählung beginnt drastisch mit Mutlosigkeit und Angst der Israeliten und sie endet mit der Erfahrung von  Rettung und neuer Lebenskraft: Wenn das Volk in der Not seinen Blick zu GOTT erhebt, zerfallen Mutlosigkeit und Resignation; Vertrauen steigt auf und damit neues Leben und neue Zukunft.
    Wer also in Not und Gefahr seinen Blick hebt und Vertrauen schöpft bei GOTT, der wird in der Gefahr nicht untergehen.
    Es ist interessant und anregend zu sehen, wie das  Johannesevangelium diese Erfahrung aus dem Ersten Testament aufnimmt und einsetzt zum Erkennen von der Wirkkraft JESU CHRISTI:
    So lesen wir heute im Johannesevangelium wörtlich: „Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.“
    Wer also mit offenem Blick auf JESUS am Kreuz schaut, in dem ändert sich etwas. Im Blick auf JESUS am Kreuz kann unser Vertrauen wachsen auf etwas Grösseres in unserem Leben als Not oder Angst. Es kann in uns aufsteigen der Gedanke: JESUS ist uns vorangegangen; er hat all das Schwere durchgestanden auch für mich; ich bin geliebt von GOTT, dem Urgrund allen Lebens.
    Das sind Erfahrungen, die viele, viele Menschen im Laufe der letzten zweitausend Jahre gemacht haben. Auch für mich persönlich ist dies seit meiner Jugendzeit eine wichtige, hilfreiche Erfahrung.
    Das Johannesevangelium hat diese Erfahrung eindrücklich in einem Satz JESU so formuliert: „Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen.“
    Dieses wunderbare Glaubensverständnis ist auch dargestellt im Zentrum unseres Altarbildes: JESUS am Kreuz mit offenen Armen für uns alle.
    Ich fasse zusammen: Für uns Christen ist das Kreuz JESU CHRISTI das Zeichen und Symbol, wo wir die unbegreifliche Barmherzigkeit und Liebe GOTTES, die in JESUS erneut offenbar geworden ist, glaubend meditieren und erfahren können. 

 

Dabei kann uns erneut bewusst werden:
Im Kreuz ist Heil
Im Kreuz ist Leben
Im Kreuz ist Hoffnung

Fürbitten

     Am Eidgenössischen Dank- Buss und Bettag 2019 rufen wir zu Gott, dem Urgrund allen Seins undLebens. Wir danken für unsere schöne Heimat, für die Freiheit, für das friedliche Zusammenleben, auch für Wohlstand und Verschonung von ganz grossen Katastrophen:

Kurze Stille KG 70 „Kyrie eleison!...“

    Wir bitten für die acht Millionen Menschen in der Schweiz: Dass wir in all unserer Verschiedenheit von Herkunft, Farbe, Religion, Erziehung, Ethik und Traditionen einander nicht bekämpfen, sondern verständig die Verschiedenheiten nutzen zu einem reichhaltigeren Leben:

Kurze Stille KG 70 „Kyrie eleison!...“

    Wir bitten für die Verantwortlichen in Gemeinden, Kantonen und Bund: Dass sie bewegt werden von einem Geist, der das Gemeinwohl anstrebt und in fairer und respektvoller Weise für ihre Ziele wirken lässt: 

Kurze Stille KG 70 „Kyrie eleison!...“

     In den letzten Wochen haben uns die Bilder von den Verwüstungen durch den Hurrican „Dorian“ tief betroffen gemacht. Aus solcher Not rufen wir zu GOTT und zu uns Menschen um Hilfe:

 Kurze Stille KG 70 „Kyrie eleison!...“

     In einer kurzen Stille denken wir an unsere persönlichen Bitten für uns und die Menschen, die uns wichtig sind:

Stille KG 70 „Kyrie eleison!...“

All dies bringen wir vor Dich, unsern Gott und Vater,
denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

 



 

23. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 8. September 2019

Einführung in die Lesung 

    Die Worte, die wir nun in der Lesung hören werden, sind uns überliefert im Brief an Philemon. Der Völkerapostel Paulus hat diesen Brief an Philemon vermutlich in Ephesus geschrieben, etwa um das Jahr 55 n.Chr.
    Es ist ein sehr persönlich gehaltener Brief. Er zeigt uns unter anderem, wie Paulus seine geistliche Autorität als Apostel gelebt hat.
    Hören wir gut! 

Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus an Philemon

(Brief an Philemon 9b-10.12-17) 

         Lieber Bruder! Ich, Paulus, ein alter Mann, jetzt auch Gefangener Christi Jesu, ich bitte dich für mein Kind Onesimus, dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin. 
         Ich schicke ihn zu dir zurück, ihn, das bedeutet mein Innerstes. Ich wollte ihn bei mir behalten, damit er mir an deiner Stelle dient in den Fesseln des Evangeliums. Aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun. Deine gute Tat soll nicht erzwungen, sondern freiwillig sein.
         Denn vielleicht wurde er deshalb eine Weile von dir getrennt, damit du ihn für ewig zurückerhälst, nicht mehr als Sklaven, sondern als weit mehr: als geliebten Bruder. Das ist er jedenfalls für mich, um wieviel mehr dann für dich, als Mensch und auch vor dem Herrn. 
         Wenn du also mit mir Gemeinschaft hast, nimm ihn auf wie mich!

 Lesung aus dem Evangelium nach Lukas

(Lukas 14,25-33)

    In jener Zeit begleiteten viele Menschen  Jesus; da wandte er sich an sie und sagte:
    Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt  und hinter mir hergeht, der kann nicht mein Jünger sein.
    Denn wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und berechnet die Kosten, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen?
    Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.
    Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden.
    Ebenso kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

 

Predigtwort

Einander Bruder und Schwester sein!

    Der heutige Evangeliumsabschnitt spricht von der Radikalität der Nachfolge Jesu. Authentische Nachfolge Jesu kann nie halbherzig geschehen. Erschütternd sind die Worte, die Jesus hierfür gebraucht. Aber darauf will ich jetzt nicht eingehen.
    Heute will ich mit Euch nachdenken über Denkensart und  Wirken des Apostel Paulus, wie es sich zeigt in seinem Brief an Philemon. Der Philemonbrief ist das kürzeste Schriftstück im Neuen Testament.
    Was war damals, also etwa ums Jahr 55 n.Chr. passiert? In Kolossä gab es eine kleine christliche Glaubensgemeinde, die sich jeweils im Hause des Philemon versammelte. Philemon war auch der Leiter der kleinen Christengemeinschaft. Der schöne griechische Name Philemon bedeutet „Liebender“.
    Philemon war ein Freund des Paulus. An ihn und seine Frau, wie auch an Archippus und die ganze christliche Hausgemeinde in Kolossä hat Paulus um 55 n.Chr. aus Ephesus einen kleinen Brief geschrieben.
    In diesem Brief formuliert Paulus ein ganz konkretes Anliegen: Dem wohlhabenden Hausbesitzer Philemon ist der Sklave Onesimus entlaufen. Onesimus war damals ein beliebter Sklavenname und bedeutet zu deutsch „der Nützliche“.
    Paulus bittet nun seinen Freund, den Hausbesitzer und Gemeindeleiter Philemon, er solle seinen entlaufenen Sklaven Onesimus wieder aufnehmen, und zwar als geliebten Bruder. Denn Onesimus ist Christ geworden und Paulus ans Herz gewachsen.
    Interessant ist nun zu erkennen, dass Paulus nicht das System der Sklaverei kritisiert, sondern die gemeinsame Bindung an JESUS CHRISTRUS, anspricht. Sklavenhalter und Sklave sind Brüder in CHRISTUS, dem auferstandenen Herrn.
    Paulus beginnt zu überlegen: Ich bin Christ, Philemon ist Christ, Onesimus ist Christ. Gehört denn der Sklave Onesimus noch dem Hausherrn Philemon ? Und umgekehrt, ist es recht, dass der Sklave Onesimus seinem vorgesetzten Herrn Philemon davongelaufen ist? 
    Aus dieser Überlegungen schreibt nun Paulus:
    ‚Bruder Philemon, dein Sklave Onesimus ist bei mir. Ich schicke ihn zu dir zurück, aber mit bangem Herzen. Du musst wissen, es hat sich etwas verändert, grundlegend verändert. Onesimus gehört jetzt nämlich zu uns, zum Leib CHRISTI; dieser Leib hat viele Glieder, aber jedes ist wichtig und wertvoll.
    Ich frage mich und frage dich: Kann Onesimus jetzt noch Sklave sein? In der Wiedergeburt der Taufe ist er dir doch wesentlich verwandt geworden. Ich erlebe und sehe ihn als geliebten Bruder. Wenn er jetzt zu dir zurückkommt: Kannst du  ihn jetzt wohl neu kennen lernen? Ganz neu kennen lernen als Bruder?
    Lieber Philemon, ich kann und will dir nichts vorschreiben. Aber diese Gedanken bewegen mich. Also bitte ich dich: Nimm Onesimus wieder auf. Erkenne in ihm meinen Bruder.’
    Der Völkerapostel kritisiert also nicht das System der Sklaverei, sondern weist auf die gemeinsame Beziehung und Bindung an JESUS CHRISTUS. Damit tritt an die Stelle der hierarchischen Macht die geschwisterliche Beziehung unter Gleichgestellten.
    Daraus entsteht kein sozialer Umsturz, keine blutige Revolution, und doch verändert sich durch diesen Bewusstseinswandel alles.
    Hier beginnt etwas ganz klein und es dauerte Jahrhunderte, bis dieser Brief seine Kraft voll entfalten konnte. Bis verstanden wurde, dass nicht nur Getaufte, sondern alle Menschen Ebenbilder GOTTES sind und untereinander Brüder und Schwestern. Dieser Bewusstseinswandel ist auch heute noch zu führen.
    Die wahre Revolution beginnt ganz klein. Die kleinen Taten sind nicht sinnlos, wenn sie von Herzen kommen und GOTTES Geist atmen. Unsere kleinen Taten sind nicht sinnlos, wenn sie von Herzen kommen und GOTTES Geist atmen.
    Vielleicht sollten auch wir weniger versuchen, Strukturen umzuwerfen und mehr die Herzen bewegen.


In der Nachfolge Jesu und in Jünger-Sein
sind wir eh und je Anfänger. Aber es lohnt,
sich immer wieder neu auf den Weg zu machen.
Denn
Jeder Tag ist eine neue Berufung