Auf SEINE STIMME hören


5. Fastensonntag im Jahrkreis B
Samstag / Sonntag
20. / 21. März 2021

Einführung in die Lesung Jeremia 31,31-34 

      Die heutige Lesung bringt  uns einen eindringlichen Text aus dem Prophetenbuch Jeremia. Der Prophet Jeremia hat gewirkt in Jerusalem in den 40 Jahren vor der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels durch Babylon, also etwa zwischen 627 und 586 v. Chr. Die katastrophalen politischen Verhältnisse wurden damals religiös gedeutet als eine Auswirkung, weil Israel den Bund mit GOTT gebrochen habe.
      Jeremia spricht nun die prophetische Verheissung aus, dass der einmal geschlossene Bund nicht aufgehoben, sondern neu mit Leben erfüllt wird. Gottes Weisung werde in die Mitte des Volkes Israel gegeben und auf ihr Herz geschrieben.
      So drücken die prophetischen Worte Jeremias GOTTES Liebe, Wohlwollen und Fürsorge aus. Hören wir gut! 

Lesung aus dem Buch Jeremia
(Jeremia 31,31-34)

       Siehe, Tage kommen – Spruch des HERRN –, da schliesse ich mit dem Haus Israels und dem Haus Juda  einen neuen Bund. Er ist nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war – Spruch des HERRN.
      Sondern so wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schliesse – Spruch des HERRN: Ich habe meine Weisung in ihre Mitte gegeben und werde sie auf ihr Herz schreiben. Ich werde ihnen GOTT sein und sie werden mir Volk sein.
      Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den HERRN!, denn sie alle, vom Kleinsten bis zum Grössten, werden mich erkennen – Spruch des HERRN. Denn ich vergebe ihre Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr.

Lesung aus der Frohen Botschaft nach Johannes
(Johannes 12,20-33)

      In jener Zeit gab es auch einige Griechen unter den Pilgern, die beim Paschafest in Jerusalem GOTT anbeten wollten. Diese traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und baten ihn: Herr, wir möchten Jesus sehen. Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus.
      Jesus aber antwortete ihnen: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.
      Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!
      Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen. Die Menge, die dabei stand und das hörte, sagte: Es hat gedonnert. Andere sagten: Ein Engel hat zu ihm geredet.
      Jesus antwortete und sagte: Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.
      Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

 

Predigtwort
„Wenn ich über die Erde erhöht bin,
werde ich alle zu mir ziehen“

      Wenn wir heute eine katholische Kirche betreten, sind wir uns gewohnt, ein Kreuz zu erblicken. Eine Kirche ohne Kreuzesdarstellung ist für uns seltsam.
      Wenn wir uns aber in das erste, zweite oder dritte Jahrhundert zurückversetzen könnten und mit der dortigen Christengemeinde Eucharistie feierten, würden wir kein Kreuz finden.
      In damaliger Zeit gab es in Gottesdiensträumen kein Kreuz; wahrscheinlich auch keines in den Häusern der Christen. JESUS wurde in den ersten Jahrhunderten  nicht als Gekreuzigter dargestellt. Das gebräuchliche Erinnerungsbild war damals JESUS als der gute Hirt.

      Warum?

      Im Römischen Reich war die Kreuzigung die schändlichste Todesstrafe. Alle sollten sehen: Hier hängt ein schandbarer Verbrecher. Am Kreuz sterben war ein Sterben in tiefster Demütigung und tiefster Verachtung.
      Für die Christen in urchristlicher Zeit war es sehr schwer zu Juden und Heiden vom gekreuzigten CHRISTUS zu sprechen. Der Apostel Paulus bezeugt das im Ersten Korintherbrief, wenn er schreibt:
      „Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkünden CHRISTUS als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, CHRISTUS, GOTTES Kraft und GOTTES Weisheit“(1 Kor 1,22-24).
      Im Johannesevangelium, dass ca. 50 Jahre nach den Paulusbriefen entstanden ist, gibt es aber eine neue, überraschende Deutung des Kreuzesgeschehens.
      Diese Deutung  ging von einer konkreten und anschaulichen Erfahrung aus: Vor der Stadtmauer Jerusalems gab es einen Felsenhügel, der „Golgota“ hiess. Auf diesem Felsen war ein Holzbalken senkrecht in den Boden eingerammt. Der dienste als Längsbalken bei Kreuzigungen. Er stand dort und zwar unabhängig davon, ob eine Kreuzigung bevorstand oder nicht. – Ähnlich wie bei uns im Mittelalter der Galgen.
      Bei der Kreuzigung trägt JESUS den Querbalken  hinauf nach Golgota. Dort angekommen wird der Querbalken auf den Boden gelegt.  Darauf wird JESUS an den Händen am Querbalken angenagelt. Dann wird der Körper am Längsbalken hinaufgezogen; der Querbalken wird am Längsbalken befestigt und die Füsse werden am Längsbalken angenagelt.
      Diesen grauenhaften Vorgang nennt das Johannesevangelium „Erhöhung“; das meint zunächst also nur: JESUS wird am Längsbalken hochgezogen. Das Wort „Kreuz“ wird überhaupt nicht verwendet. Das Evangelium formuliert das so: „Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen“ (Joh 12,32).
      Die damaligen Hörer des Evangeliums wussten aber, dass die Gläubigen in den urchristlichen Gemeinden im Wort „Erhöhung“ etwas anderes verstanden als das Heraufziehen des Querbalkens. Für die gläubigen Christen in den urchristlichen Gemeinden war das Wort „Erhöhung“ Ausdruck für das spirituelle Ereignis der Auferweckung JESU vom Tod zum ewigen Leben in GOTT. So heisst es im Philipperhymnus: „Darum hat ihn GOTT über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der grösser ist als alle Namen“ (Philipperbrief 2,9). Dieser von GOTT so Erhöhte trägt den Titel “Kyrios“.
      Das Hinaufgezogen werden am Kreuzesbalken bedeutet äusserlich betrachtet tiefste Demütigung und Erniedrigung JESU; in Wahrheit und spirituell betrachtet ist es der erste Schritt der Erhöhung JESU in die Herrlichkeit GOTTES.
      Wenn wir heute vor einem Kreuz oder Kruzifix stehen, so ist das für uns Christen immer auch eine Einladung, stille zu werden, sich zu erinnern, was JESU Tod am Kreuz für uns bedeutet; vielleicht bezeichnen wir dann auch uns selbst mit dem Zeichen des Kreuzes.
      Das Kreuzzeichen bringt die Frage nach dem Sinn des Leidens in unser Bewusstsein. Hiobs uralte Frage „Wo ist GOTT im Leiden?“ bricht immer wieder auf.
      Im Leiden geschieht Wichtiges. Auch in unserem Leiden geschieht Wichtiges für unser Leben. Darin sind sich unterschiedlichste spirituelle Lehrer unserer Tage einig. Im Leiden öffnen sich Menschen oftmals für eine tiefere Reifung, für Gnade und Hingabe. Im Leiden kann oftmals Liebe ankommen und das Urvertrauen sich verstärken.
      JESU Leiden und Tod am Kreuz und das neue Leben und Wirken JESU CHRISTI nach seinem Tod sind für uns Christen tiefe Prägung für unser christliches Vertrauen.
      Durch das Leiden JESU am Kreuz erfahren wir: GOTT ist nicht fern im Leiden, auch im Tod ist GOTT uns liebend nah. Der Tod ist nicht das Ende Seiner Liebe, sondern vielmehr neuer Anfang.
      Der Blick ans Kreuz kann mir sagen: GOTT liebt mich. In schönen und auch in notvollen Situationen bin ich in „GOTTES gütiger Hand“.

      Das zeigt auch in eindrücklicher Weise unser Altarbild: In den verschiedensten Situationen unseres Lebens sind wir unter den ausgebreiteten Armen JESU CHRISTI liebend geborgen. Sein Wort gilt auch uns heute:

 „Wenn ich über die Erde erhöht bin,
werde ich alle zu mir ziehen“





Erster Fastensonntag im Jahrkreis B
Samstag / Sonntag
20. / 21. Februar 2021

Einführung in die Lesung Gen 9,8-15

      Die aktuelle Corona-Pandemie ist nicht die erste Katastrophe in unserer Weltgeschichte. Schon im ersten Buch der Bibel, im Buch Genesis, wird von einer grossen Katastrophe berichtet:
      40 Tage und 40 Nächte regnete es und das Wasser überflutete die Landschaft total und bewirkte eine radikale Zerstörung des Lebens.
      Nur Noach mit seiner Familie und mit den Tieren in der Arche wurden gerettet.
      Wir hören nun in der heutigen Lesung am ersten Fastensonntag einen Ausschnitt aus dem zweiten Teil dieser wunderbaren Rettungserzählung.
      Hören wir gut!!

Lesung aus dem Buch Genesis
(Genesis 9,8-15)

      GOTT sprach zu Noach und seinen Söhnen, die bei ihm waren: Ich bin es. Siehe, ich richte meinen Bund auf mit euch und mit euren Nachkommen  nach euch und mit allen Lebewesen bei euch, mit den Vögeln, dem Vieh und all den Wildtieren der Erde bei euch, mit allen, die aus der Arche gekommen sind, mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.
      Ich richte meinen Bund mit euch auf: Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
      Und GOTT sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen: Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Zeichen der Erde zusammen und erscheint der Bogen in den Wolken, dann gedenke ich des Bundes, der besteht zwischen mir und euch und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch, und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden, die alle Wesen aus Fleisch verdirbt.

Lesung aus der Frohen Botschaft nach Markus
(Markus 1,12-15)

      In jener Zeit trieb der Geist JESUS in die Wüste. JESUS blieb vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.
      Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging JESUS nach Galiläa; er verkündete das Evangelium GOTTES und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich GOTTES ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium! 

Predigtwort
Einsamkeit und Stille

      Die grosse Flut, die alles ertränkt hat, ist ein eindringliches Vorbild auch für uns heute. Ich will jetzt aus dieser biblischen Erzählung nur den einen Aspekt herausgreifen: nämlich dass GOTT einen Bund schliesst mit den Geretteten, dass nie mehr Mensch und Tier auf der Erde vom Wasser total ausgerottet werden sollen.
      Und damit dieser Bund nicht in Vergessenheit gerät, gibt es von GOTT her auch ein Zeichen: Der Regenbogen: Im Bibeltext heisst es: „Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen.“
      Frage: Haben wir beim Anblick eines Regenbogens auch schon realisiert, dass dieser Regenbogen ein tiefes religiöses Zeichen ist? Das Staunen über einen Regenbogen ist schön und gut; aber es gibt von der Bibel her noch etwas Tieferes: Die Erinnerung an die Bundeszusage von GOTTES Liebe und Barmherzigkeit zu uns.

      Die Juden, unsere Vorfahren und Wurzeln unseres Gottesglaubens, haben das nicht vergessen. Beim Anblick eines Regenbogen beten sie jeweils das Gebet:

Gepriesen seist Du, ADONAI, unser GOTT,
König auf Weltzeit, der an den Bund erinnert
und treu Seinen Bund hält und Sein Wort erfüllt.

      Könnte es nicht auch für uns Christen ein guter Gedanke sein, beim Anblick eines Regenbogens uns an GOTT, an GOTTES Bundestreue und Liebe zu erinnern?

      Wenden wir uns nun dem Evangelium zu! Wir haben im Markusevangelium soeben gelesen, dass JESUS vor seinem öffentlichen Wirken in die Abgeschiedenheit der Wüste gegangen ist. JESUS, unser Vorbild und Meister, ist in die Einsamkeit und Stille gegangen und hat sich dort Zeit genommen für sich.
      Wenn JESUS in seiner eigenen Lebensgestaltung extra Zeit eingeräumt hat für sich selbst, so ist das nicht ein modischer oder gesellschaftlicher Brauch und auch nicht ein egoistisches Tun, sondern es ist das, was Therapeuten heute eine gesunde „Psychohygiene“ nennen, also eine gute Sorge um das eigene Selbst.
      Zeit haben für sich selbst ist eine besondere Hilfe, sich selbst wahrzunehmen. Unser eigener Körper, unsere Sinne, Gefühle und Träume melden uns unsere Bedürfnisse und unser inneres Verlangen.
      Wir erfahren heute durch die weltweiten Corona-Pandemie schwierige und vereinsamende Einschränkungen in unserem persönlichen und gesellschaftlichen Leben.
      Das macht vielen von uns zu schaffen, es behindert und stört uns. Und das ganz besonders in unserer heutigen westlichen Gesellschaft mit der heute oftmals vorherrschenden Meinung, dass wir mit Wissenschaft und Technik all unsere menschlichen Probleme lösen werden. Nicht wenige meinen heute, dass wir den Gottesglauben und die Kraft GOTTES nicht mehr nötig haben. Wir schaffen mit unserem Wissen und unserer Technik.
      Gar nichts gegen Wissen, Technik und Fortschritt! Aber das allein löst unsere Probleme nicht. Wir Menschen leben nicht nur vom Wissen und Können, nicht nur von florierender Wirtschaft. Es gibt noch eine andere Dimension, die grundlegender und tragender ist als all unser Können und Tun: das ist gegenseitiges Verständnis, Respekt, Zuwendung, Vertrauen, Liebe.
      Und eben diese andere Dimension wird genährt durch das Vertrauen auf GOTT, die Urkraft unseres Seins; durch das Hören auf GOTTES Stimme in uns: Das ist Nahrung für unsere Seele; Kraft für die andere Dimension in unserem Leben.
      In dieser Hinsicht kann uns die erzwungene Begrenzung durch die Corona-Pandemie helfen. Die Einsamkeit und Stille, die von uns durch die Pandemie gefordert wird, können wir nutzen zum Zeit haben für uns selbst, zum Überlegen und Nachdenken über Fragen wie:
    - Was tue ich zur Stärkung meines Gottvertrauens?
    - Wie steht es mit meinem Beten?
    - Wie halte ich meinen Sonntag als Tag des Feierns und Seins?
    - Wie bilde ich mich weiter auch in religiöser Hinsicht?
    - Wo und wie helfe ich meinen Mitmenschen, die in Not sind?

      Wir können uns auch fragen: Habe ich eine kleine Ecke, wo ich ruhig sitzen und Stille erleben kann? In unserem Dorf hatten wir früher in jeder Wohnung einen „Herrgottswinkel“, d.h. eine stille Stelle mit einem Bild, einem Kruzifix, einer Blume und Weihwasser.
      Vielleicht ist es gut, einen stillen Ort einzurichten zum Ruhigwerden und Nachdenken, wo ich morgens und abends etwas Zeit verbringe und so mein Leben vertiefter, sinnerfüllter und spiritueller wird.
      Auf solche und andere Weise können wir der aktuellen schwierigen Situation eine positive, lebensfördernde Seite abgewinnen.
      Papst Franziskus schreibt in seinem neuesten Büchlein unter anderem folgendes: „Die Fastenzeit ist ein lautes Signal, unser Leben zu verlangsamen... Sie ist ein Aufruf zum Innehalten, zur Besinnung auf das Wesentliche... Sie ist ein Wecker für die Seele.“

      Einsamkeit und Stille kann heute ein besonderer Aspekt sein von Fasten in unserer Corona-Pandemie-Zeit. An den kommenden Fastensonntagen werden die Predigten dann noch andere hilfreiche Akzente der Fastenzeit beleuchten.

      Mein grosser Wunsch und meine Bitte für uns alle ist, dass die aktuelle schwierige Zeit mit ihrer Einsamkeit und Stille unser Vertrauen auf GOTTES Bundeszusage stärkt und dass GOTTES LIEBE und TREUE uns umgibt und erfreut wie ein farbiger Regenbogen.

Am Schluss des Gottesdienstes noch ein Gebet für jeden neuen Tag

Gebet der Freude

Jetzt, o GOTT,
trete ich aus Deinem Licht,
aus Deiner Kraft,
aus Deiner Freude
in meinen Tag.
Ich will tun, was Du befiehlst
in Freude.
Ich will tragen, was Du auferlegst
in Freude.
Ich will arbeiten und wirken
in Freude.
Ich will folgen, wohin Du rufst
in Freude.
Erleuchte mich dazu mit Deinem Licht.
Stärke mich dazu mit Deiner Kraft.
Erhalte in mir Deine Freude.
 



Darstellung des HERRN – Mariä Lichtmess
Dienstag, 2. Februar 2021 

Einführung in die Lesung

      Die heutige Lesung bringt einen kleinen Ausschnitt aus der prophetischen Schrift Maleachi. Diese Prophetenworte Maleachis sind anfangs 5. Jh. v.Chr. entstanden und künden von der Hoffnung auf das Kommen GOTTES im Tempel in Jerusalem.
      Das war in der Zeit des Wiederaufbaus Jerusalems nach dem babylonischen Exil. Geläutert durch die schwere Zeit des Exils werden nun GOTT die Opfer im Tempel in richtiger Gesinnung gut geopfert.
      Später, in der jungen Christenheit, wurden diese Worte dann auch im Blick auf das Kommen JESU gedeutet.

Lesung aus dem Buch Maleachi
(Maleachi 3,1-4)

      So spricht Gott, der HERR: Seht, ich sende meinen Boten; er soll den Weg für mich bahnen. Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, den ihr herbeiwünscht. Seht, er kommt!, spricht der HERR der Heerscharen.
      Doch wer erträgt den Tag, an dem er kommt? Wer kann bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer des Schmelzers und wie die Lauge der Walker. Er setzt sich, um das Silber zu schmelzen und zu reinigen: Er reinigt die Söhne Levis, er läutert sie wie Gold und Silber. Dann erden sie dem HERRN die richtigen Opfer bringen. Und dem HERRN wird das Opfer Judas und Jerusalems angenehm sein wie in den Tagen der Vorzeit, wie in längst vergangenen Jahren.

Lesung aus der Frohen Botschaft nach Lukas
(Lukas 2,22-32)

      Als sich für die Eltern Jesu die Tage vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung  erfüllt hatten, brachten sie das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn darzustellen, wie im Gesetz des Herrn geschrieben ist: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn heilig genannt werden. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
      Und siehe, in Jerusalem lebte ein Mann namens Simeon. Dieser Mann war gerecht und fromm und wartete auf den Trost Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe.
      Er wurde vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten, um mit ihm zu tun, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:
      Nun lässt du, Herrn, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

 Predigtwort
„Meine Augen haben das Heil gesehen“

      Das Fest „Darstellung des HERRN“, das wir heute feiern, hat als biblischen Hintergrund eine ergreifende Begegnung im Tempel zu Jerusalem. Die Eltern mit ihrem kleinen Büblein JESUS begegnen im Tempel den zwei Senioren: Simeon und Hanna.
      Die bedeutungsvolle und berührende Szene ereignete sich so: Der betagte Mann Simeon nimmt das kleine Kindlein JESUS auf seine Arme, blickt es lang und betroffen an und wird erfüllt von einer seligen Hoffnung; und der greise Simeon bekennt staunend: „Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Jissrael“.
Ein Licht! Was bedeutet LichtLicht schenkt ErkenntnisLicht schenkt LebenSimeon erkennt, dass durch JESUS aus dem Volk der Juden auch den Nichtjuden inneres, geistiges und geistliches Leben geschenkt wird. Diese Erfahrung ist wahr und gilt bis zum heutigen Tag.
Simeon sagt dann weiter zum Kindlein JESUSDu bist „Herrlichkeit für dein Volk Jissrael“. Das heisst doch: JESUS ist grosser Ruhm für sein Volk Jissrael.
      Die eindrückliche Erzählung von der Begegnung des greisen Simeon und der Witwe Hanna mit dem Kinde JESU im Tempel ist ein tiefes symbolisches Zeugnis für die grundlegenden Verbundenheit zwischen den jüdischen Wurzeln und dem christlichen Glauben: JESUS hat jüdische ElternJESUS wird im jüdischen Glauben und Brauchtum erzogen und JESUS bleibt Jude auch in seinem Tod und bis ins Grab.
      Vom greisen Simeon sagt das Evangelium, dass er „gerecht und fromm war und dass erauf den Trost Israels wartete und dass Heiliger Geist auf ihm ruhte“. Das lebenslange Sehnen, Hoffen und Warten des aufrichtigen Simeon wird nun erfüllt durch die Begegnung mit dem Kinde JESU.
      Die biblische Erzählung von der Begegnung von Simeon und Hannamit dem Kinde JESU schildert eine tiefe menschliche Erkenntnis. Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber hat vor 100 Jahren diese Erkenntnis eindringlich so formuliert:
„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“. Und der katholische Theologe und geistliche Schriftsteller Anton Kner hat vor 40 Jahren diese Lebenserfahrung so formuliert: „Unser Leben ist die Geschichte unserer Begegnungen“.
Unser Leben ist die Geschichte unserer Begegnungen! Mit unseren Worten heute gesagt heisst das: In den Begegnungen verknüpft sich mein persönliches Schicksal mit dem Schicksal der anderen Menschen. Wo Begegnungen stattfinden, eröffnen sich Perspektivenquillt Hoffnung auf und Zuversicht.
Aber leider gibt es auch das Gegenteil: wenn es nicht wirklich zur Begegnung kommt, entsteht Versagen und Enttäuschung.
      Für diese Erfahrungen, die nicht zur Begegnung geführt haben, gibt es das eindrückliche Wort „Vergegnung“.

      Wir können uns heute Abend mal fragen, jeder und jede für sich ganz persönlich:
- Welche Begegnungen haben mich in meinem Leben besonders geprägt? Wie kann und will ich echte Begegnungen pflegen? Wie bin ich dankbar für die Begegnungen, die mein Leben gefördert und erfüllt haben?
- Und wir können auch überdenken: Wie verarbeite ich meine Vergegnungen“, mein Versagen?

      Ich wünsche für uns alle, für jede und jeden von uns, dass wir im Rückblick und im Verarbeiten unserer Begegnungen und Vergegnungen dankbar bekennen können:

Meine Augen haben das Heil gesehen
und mein Leben hat den Trost erfahren,
den GOTT,
die Urquelle von Leben und Liebe,
uns verheissen hat!