Auf SEINE STIMME hören


10. Sonntag im Jahrkreis B
Samstag / Sonntag
5. / 6. Juni 2021 

Einführung in Lesung und Evangelium

      Die Lesung, die am heutigen Sonntag vorgetragen wird, ist aus dem Zweiten Korintherbrief. Sie zeigt uns eine Erfahrung des Apostel Paulus. Der Völkerapostel Paulus ist überzeugt und getragen vom Vertrauen, dass wir nach dem Tod eine von GOTT errichtete Wohnung, ein ewiges Haus im Himmel haben.
      Der heutige Abschnitt aus dem Evangelium nach Markus berichtet von JESUS und seinem Leben in der Auseinandersetzung mit Andersdenkenden und im intensiven Bewusstsein von Verbundenheit und Gemeinschaft mit den Menschen hier auf Erden.
      Hören wir gut!

Lesung aus der dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth
(2 Korinther  4,13 – 5,1)

      Schwestern und Brüder! Wir haben den gleichen Geist des Glaubens, von dem es in der Schrift heisst: Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet. Auch wir glauben und darum reden wir. Denn wir wissen, dass der, welcher JESUS, den Herrn, auferweckt hat, auch uns mit JESUS auferwecken und uns zusammen mit euch vor sich stellen wird.
      Alles tun wir euretwegen, damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen Gnade den Dank vervielfachen zur Verherrlichung GOTTES.
      Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äusserer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert. Denn die kleine Last  unserer gegenwärtigen Not schafft uns in masslosem Übermass ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit, uns, die wir nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare blicken; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig.
      Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von GOTT, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel.

Lesung aus dem Evangelium nach Markus
(Markus 3,20-35)

      In jener Zeit ging JESUS in ein Haus und wieder kamen so viele Menschen zusammen, dass er und die Jünger nicht einmal mehr essen konnten. Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.
      Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beélzebul besessen; mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Gleichnissen:
      Wie kann der Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und gespalten ist, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen. Es kann aber auch keiner in das Haus des Starken eindringen und ihm den Hausrat rauben, wenn er nicht zuerst den Starken fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern.
      Amen, ich sage euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen GEIST lästert, der findet in Ewigkeit kein Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften. Sie hatten nämlich gesagt: Er hat einen unreinen Geist.
      Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben draussen stehen und liessen ihn herausrufen. Es sassen viele Leute um ihn herum und man sagte zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draussen und suchen dich. Er erwiderte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsassen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder.
      Wer den Willen GOTTES tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter. 

Predigtwort

„Wer den Willen GOTTES tut, 
der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter“ 

      Aus den verschiedenen Gedanken des eben verkündeten Evangeliums will ich jetzt nur einen Aspekt etwas näher betrachten. Was sagt uns das Evangelium über die Beziehung zur eigenen Familie wie Bruder, Schwester , Mutter und den so  verschiedenartigen übrigen Menschen?
      Die biologische Verwandtschaft der Familie war in früherer Zeiten und ist auch heute noch oft ein sicherer Hafen der Geborgenheit. Wenn ich in meinem Leben zurückdenke, wird mir klar, wie doch für mich Grossvater, Vater, Mutter, sowie Onkel und Tanten wichtig waren für mein junges Leben.
      Nun aber lesen wir im Evangelium von Markus, Matthäus  und Lukas die Worte JESU: „Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und JESUS blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsassen und sagte: „Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen GOTTES tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter“.
      Hier geht es JESUS also nicht um die Verbundenheit und Verwandtschaft in der biologischen Familie, sondern JESUS erklärt, wie wichtig für ihn die geistige Verwandtschaft im Vertrauen, Hoffen und Lieben ist.
      Jeder Mensch, ob arm oder reich, einfach oder gebildet, Mann oder Frau, jung oder alt, angesehen oder unbedeutend, jeder Mensch, der auf GOTT vertraut und  versucht nach GOTTES Willen zu leben, ist für JESUS so nah und so innig mit ihm verbunden wie eine gute Mutter, Schwester und Bruder.
      Der Apostel Paulus hat diesen Impuls von JESUS intensiv aufgenommen, wenn er  an die christliche Glaubensgemeinde  in Korinth schreibt: „Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie, und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt. (...) Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.“ (1 Kor 12,13).
      Für Paulus ist Kirche „Leib Christi“; alle Gläubigen sind die geistbegabten Glieder der Kirche. In solcher Glaubensgemeinde offenbart sich GOTT: Da werden wir Menschen gegenseitig gestärkt im Vertrauen auf GOTTES Kraft und Wirken.
      Menschen, die auf GOTT vertrauen und dem Beispiel JESU folgen bilden so eine neue, geistige Familie. Wer im Sinne JESU der Liebe GOTTES folgt, dem wird der Mitmensch Bruder, Schwester, Mutter.
      Dieser Aspekt der spirituellen Gemeinschaft ist auch beim Beten und Feiern hier in unserer Kirche wichtig. Ich erfahre das immer wieder auch bei mir selbst: Wenn wir miteinander beten und feiern stärkt das auch mein persönliches Vertrauen, Hoffen und Lieben.

      Zu unserem leibhaftigen und bethaften Beisammensein hilft auch unsere schöne St. Annakirche. Heute, auf den Tag genau, vor 39 Jahren haben wir unsere neu gestaltete St. Annakirche eingeweiht.
      Es ist vielleicht gut, wieder mal bewusst zu machen, was die Grundgestaltung unserer St. Annakirche uns sagen will. An den Innentüren der Kirche treffen wir auf die Symbole der vier Evangelien: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Die Evangelien als Frohe Botschaft wollen in unserer Kirche zu unserem Herzen sprechen. Wenn wir nach unserem Beten und Feiern wieder aus unserer Kirche hinausgehen erinnern uns wiederum die Symbole der vier Evangelisten, dass wir das Evangelium JESU CHRISTI in unserer Alltagswelt draussen leben und erfahrbar machen sollen.
      Beim Eingang auf der Seite beim grossen Fenster treffen wir auf den Taufstein. Taufe ist die sakramentale Pforte in die christliche Gemeinschaft der Kirche.
      Der Raum in unserer St. Annakirche ist wie ein schöner Abendmahlssaal, ausgerichtet auf das Zentrum unseres Feierns: den Altar. Die Gestaltung des Altares ist inspiriert von der Annakirche in Apt, der ältesten Annakirche in Europa.
      Den Ort, wo ich jetzt stehe, nennt man „Ambo“. Es ist der Ort der Verkündigung der Frohen Botschaft. Unser Ambo hier ist gestaltet nach dem Ambo in Romainmôtier, dem ersten Kloster in der Schweiz.
      Der Raum unseres gemeinsamen Betens als geistige Familie ist wesentlich geprägt durch die Fenster und Altarbilder:
      Die vier Fenster gegen die Wallisellerstrasse schildern  malerisch die biblische Schöpfungserzählung.
      Das fünfflüglige Altarbild erzählt in sieben Bildern wesentliche Ereignisse und Etappen vom Volk Israel im Leben und Vertrauen auf GOTT und eindrückliche Erfahrungen mit JESUS CHRISTUS. 39 Jahre habe ich diese Bilder fast jeden Tag angesehen und die Erfahrung gemacht, dass intensives Betrachten dieser Bilder anregend und hilfreich ist.
      Seit dem Bau der St. Annakirche 1956 prägt ein leuchtendes, grosses Farbfenster den Kirchenraum. Ähren, Trauben und in der Mitte das Kreuz zeigen ein tiefes Symbol für die Eucharistie, diese sakramentale Erinnerung an GOTTES Liebe und Treue.
      Auffallend sind auch die zwei Kerzenleuchter: Hinter dem Ambo steht ein grosser Leuchter mit sieben Lichtern. Der siebenarmige Leuchter heisst auf hebräisch „Menora“ und ist im Judentum ein intensives Symbol. Eine Menora stand gemäss der Bibel schon vor mehr als 3000 Jahren im Stiftszelt, dann im Tempel zu Jerusalem. Seit der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 durch die Weltmacht der Römer ist die Menora in den Synagogen ein wichtiges Symbol für jüdisches Vertrauen und Beten.
      In unserer Kirche erinnert der siebenarmige Leuchter an die Tatsache, wie sehr christlicher Glaube aufbaut auf dem jüdischen Gottesglauben. Jüdische Glaubenserfahrung ist die Wurzel christlichen Glaubens. Paulus sagt darum im Römerbrief uns Christen: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“ Der siebenarmige Leuchter in unserer St. Annakirche erinnert uns stets daran, wie wichtig jüdische Glaubenserfahrung für unser christliches Vertrauen ist.
      Zwischen Taufstein und Altar steht eine einzelne, grosse Kerze. Sie wird getragen von einem bronzenen Kandelaber, der genau gleich gestaltet ist wie der siebenarmige Leuchter; nur oben breiten sich  die sieben Zweige nicht aus, sondern verdichten sich zu einer Knospe, aus der die Osterkerze hervorspriesst als Symbol für den auferstandenen CHRISTUS, das „Licht der Menschen“, durch den uns und den verschiedensten Völker der Erde die Heilsgeschichte GOTTES sichtbar und erfahrbar geworden ist.
      Wenn wir vom grossen Kirchenraum in die kleine Kapelle hineingehen begegnen wir hinten, unter einer Lichtkuppel, unserer Kirchenpatronin, gestaltet als „Anna Selbdritt“. Mit der Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden ist die Statue Anziehungspunkt für ein Ave und stilles Bittgebet. Unsere „Anna Selbdritt“ ist als Kunstwerk ist im 18. Jahrhundert im Südtirol entstanden. Die beiden Mütter, Anna und Maria, begegnen sich und im Zentrum ist das Kind, der kommende Messias.
      In der Kirche ganz hinten, erinnern uns die Namen der Toten an unsere lieben Verstorbenen, die vor uns im Gottvertrauen gelebt haben und uns verbunden sind in unserer Liebe und Achtung.

      Nach diesem Rundgang durch unsere 1982 neu gestaltete Kirche möchte ich von Herzen danken: Danken allen, die sich für die Erneuerung engagiert haben: Kirchenpflege, Baukommission, Künstler, Stifterinnen und Stifter; ganz besonders aber auch dem Architekten Rudolf Mathys, der mit seinen Ideen und Verwirklichungen Wunderbares bewirkt hat.

Möge in unserer St. Annakirche imsere Erfajring
von miteinander Beten und spiritueller Gemeinschaft 
immer wieder gestärkt und fruchtbar werden.
im gelebten Vertrauen, Hoffen und Lieben.



Fest Christi
 Himmelfahrt
Mittwoch / Donnerstag
12. / 13. Mai 2021

Einführung in die Lesungen

      Vom Abschied JESU erfahren wir in den ersten 11 Sätzen der Apostelgeschichte. Darum wird dieser Text heute am Fest Christi Himmelfahrt gelesen.
      In der anschliessenden Lesung aus dem Brief an die Gemeinde in Ephesus hören wir Wesentliches, was zur inneren Haltung gehört für Menschen, die in der Spur JESU CHRISTI leben. Hören wir gut !

Lesung aus der Apostelgeschichte
(Apostelgeschichte 1,1-11)

      Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben. Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
      Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheissung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit heiligem Geist getauft.
      Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an die Grenzen der Erde.
      Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weissen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

 Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in Ephesus
(Epheser 4,1-7.11-13)

      Schwestern und Brüder! Ich, der Gefangene im Herrn, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging.
      Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens! Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein GOTT und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.
      Aber jeder von uns empfing die Gnade in dem Mass, wie CHRISTUS sie ihm geschenkt hat. Und er setzte die einen als Apostel ein, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zuzurüsten, für den Aufbau des Leibes CHRISTI, bis wir alle zur Einheit im Glauben und der Erkenntnis des Sohnes GOTTES gelangen, zum vollkommenen Menschen, zur vollen Grösse, die der Fülle CHRISTI entspricht.

Lesung aus dem Evangelium nach Markus
(Markus 16,15-20)

      In jener Zeit erschien Jesus den Elf und sprach zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden.
      Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.
      Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.
      Sie aber zogen aus und verkündeten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiteten.

Predigtwort
„Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“

      Was wir eben jetzt in der Lesung aus dem Evangelium gehört haben sind die abschliessenden, letzten Worte im Markusevangelium.
      Auf Anweisung JESU gehen die Jünger hinaus in die ganze Welt und verkünden das Evangelium. Ihre Worte und Taten werden bekräftigt durch überraschende Zeichen. Das ist der schlichte und sachliche Schluss des Markusevangeliums.
      Viel anschaulicher und bildhafter ist die Erzählung vom Abschied JESU in der Apostelgeschichte. Da blicken die Jünger zum Himmel auf eine Wolke, in der JESUS verschwindet.
      Dieser sehnsuchtsvolle Blick zum Himmel wird durch eine unerwartete Stimme in Frage gestellt: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel? Dieser JESUS, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“
      Diese Stimme bewirkt für die Jünger und Jüngerinnen eine Wende vom Hinblicken zur himmlischen Wolke hin zum Blicken auf die Erde, auf das, was für die Jünger und Jüngerinnen jetzt ansteht.
      Frage: Hat diese Stimme auch uns heute etwas zu sagen? Was kann die Aufforderung „Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“ für uns heute bedeuten? In unserer heutigen Zeit der Corona-Pandemie?
      Die Himmelfahrtserzählung erinnert an eine grundlegende religiöse Erfahrung: Wir Menschen können GOTT nicht sehen, aber wir können doch GOTTES Kraft spüren; die Kraft, die im ganzen Universum wirkt.
      Die biblische Stimme sagt uns: Traut auf GOTTES Kraft, folgt der Spur JESU CHRISTI mitten in eurem irdischen Leben!
      Was die Spur JESU bedeutet, schildert am heutigen Festtag die Lesung aus dem Epheserbrief mit folgenden Worten: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band  des Friedens.“
      Das heisst für uns heute: Wo christliche Gemeinden mithelfen, schleichenden oder offenen Fremdenhass, Vorurteile, Verdächtigungen zu durchbrechen, und wo sie offen sind und helfend für die Menschen in Nöten, da entsteht eine Situation, in der Menschen heil werden können an Leib und Seele; da entsteht Reich GOTTES hier auf Erden.
      Wer auf GOTT als seinem himmlischen Vater vertraut, für den relativieren sich viele Dinge seines Lebens; da haben Erfolg, Besitz und Gesundheit nicht mehr den höchsten Stellenwert. Wenn wir uns in der Hand GOTTES erfahren – und ab und zu gibt es in unserem Leben so wundersame Momente der Gewissheit – in solchen Momenten fühlen wir uns geborgen, was immer auch um uns und in uns geschieht.
      Es kann für uns auch hilfreich sein, wieder mal nachzudenken über die Erfahrung: Wo habe ich erlebt, dass ein Mensch mir geholfen hat, wo habe ich helfende und heilende Kraft erfahren?
      Und wo habe ich selber andern menschliche Nähe geschenkt, ohne sie zu vereinnahmen? Wo sind Trost, Ermutigung, Kraft von mir ausgegangen, in dem Sinne, dass Gebeugte und Entmutigte aufleben konnten? Da, wo solches geschieht, da verwirklicht sich auf Erden etwas von dem, was die Bibel Reich GOTTES nennt.
      Aus eigener Erfahrung wissen wir allerdings auch, dass das Reich GOTTES hier auf Erden nur bruchstückhaft verwirklicht wird. Beschämt erkennen wir auch, dass wir Christen nicht immer echt der Spur JESU CHRISTI gefolgt sind und dass auch die Kirche als religiöse Gemeinschaft nicht immer voll und echt Reich GOTTES verwirklicht.
      Aber entgegen allem Versagen und Misslingen ist es nötig, immer wieder neu zu beginnen mit Vertrauen und hilfreichem Tun.
      Heute, in der Isolierung und Vereinsamung durch die Corona-Pandemie, kann Dankbarkeit besonders hilfreich sein. Dankbarkeit verbindet nämlich, was getrennt und zerrissen ist. Sie heilt  die Beziehung zu Mitmenschen; sie heilt auch die Beziehung zu mir selbst; Dankbarkeit heilt auch meine Beziehung zum grossen DU, zur letzten Wirklichkeit, zu GOTT.
      Zur Dankbarkeit muss man sich nicht zwingen. Es braucht nur eine neue Sichtweise auf das, was uns begegnet. Wir können täglich für vieles danken: für die eigene Gesundheit, für die Familie, für Freunde, für ein gutes Essen, für gelungene Arbeit, für gute Begegnungen und Gespräche, für freundliche Blicke, für die Schönheit der Natur, für ein anregendes Buch, für berührende Musik.
      Vom berühmten Albert Schweitzer stammt der Gedanke: „Wir sollen gerade dann, wenn es uns nicht gut geht, etwas suchen, wofür wir dankbar sein können.“ Das Danken verwandelt nämlich unsere negativen Gefühle in ein zufriedenes Gestimmtsein.
      Um diesen Weg des Dankens zu gehen kann das Schreiben eines Dankbarkeits-Tagebuchs eine anregende Hilfe sein: Jeden Abend kurz innehalten und kurz notieren, wofür ich heute dankbar bin. Der Blick der Dankbarkeit wird den Tag in ein neues Licht tauchen. Der Tag wird so nicht als Last erlebt, sondern als Quelle von Freude und Zufriedenheit.
      Es tut gut, als eine Art Ritual, ein paar Wochen am Abend aufzuschreiben, wofür ich heute dankbar bin. Oder wenn ich nicht gerne schreibe, einfach dankbar auf den Tag zurückschauen, auf das, was mir heute geschenkt wurde: Schöne Morgensonne, eine inspirierende Begegnung, ein freundlicher Blick, zufriedene Arbeit, ein gutes Buch, liebe Familie und Freunde, gutes Essen, angenehmes Wohnen, Menschen, die mich schätzen und mögen.
      Zurück zum Fest Christi Himmelfahrt! Die Botschaft: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel“ schickt uns Christen hinein in unsere heutige Welt, damit wir 

im Vertrauen auf die Kraft GOTTES 
dankbar mithelfen am Werden einer gerechten, 
beziehungsfreundlichen und vertrauenden Menschheit 
und so mitwirken am Reich GOTTES.





4. Ostersonntag im Jahreskreis B
Samstag / Sonntag
24. / 25. April 2021

Einführung in die Lesung aus dem 1. Johannesbrief

      Die heutige Lesung am Guthirtsonntag ist dem 1. Johannesbrief entnommen. Dieser Brief wurde gegen Ende des 1. Jahrhunderts verfasst. Nach Stil und Gedankengut ist er dem Johannesevangelium nah verwandt.
      Die zwei Verse, die wir hören werden, regen uns an, in zwei Blickweisen unser Leben zu betrachten. Der erste Blick fällt auf das, was wir hier und heute sind; der zweite Blick sieht in die Zukunft, spricht von der Hoffnung, was wir einmal sein werden. Hören wir gut!

Lesung aus dem ersten Johannesbrief
(1 Johannes 3,1-2)

Schwestern und Brüder!
      Seht, wie gross die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heissen Kinder Gottes und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat.
      Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes. Doch ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
(Johannes 10,11-18)

      In jener Zeit sprach Jesus: Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reisst sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.
      Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.
      Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreisst es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.

Predigtwort
Gotteserfahrung durch Begegnung mit der Schöpfung

      Das Evangelium vom heutigen Sonntag, dass wir eben gehört haben, schildert uns JESUS als guter Hirt. In meiner Jugendzeit war es für uns im ländlichen Dorf am Napf selbstverständlich, was gute Hirten und gute Bauern sind.
      Für uns heutigen, vor allem technisch und wirtschaftlich ausgebildeten Menschen ist der „Typus Hirt“ nicht mehr ein prägendes Vorbild wie früher.
      Es ist darum am Guthirtsonntag vielleicht auch einmal hilfreich, nicht nur über gute Hirten, sondern auch über unseren persönlichen Umgang mit Tieren nachzudenken.
      Man hat festgestellt, dass in unserer Corona-Pandemie Haustiere vermehrt als Gefährten der Einsamkeit und Begleiter in schwieriger Zeit gesucht werden. Tiere gehören zur wunderbaren Schöpfung und sind empfänglich auch für unsere menschliche Zuneigung.
      Kürzlich habe ich ein Mail erhalten, das mich überrascht und zu den heutigen Predigtgedanken angeregt hat. Jürg, der Bräutigam des ersten Ehepaares, das ich vor 52 Jahren kirchlich verheiratet habe und dessen Frau vor zwei Jahren gestorben ist, hat mir geschrieben. In seinem Mail erzählt er von seinem Leben. Seit Jahren geht er im Frühling im kalten Cresta-See baden. Am Mittag geniesst er dort Paprika-Chips. Vor Jahren schon hat ein Entenpaar das erkannt und hat ihn um Chips gebettelt. Er hat ihnen gegeben. Und jedes Jahr spielt sich von neuem diese berührende Begegnung mit dem Entenpaar am Cresta-See ab.

In seinem Dialektgedicht Mein Ostererlebnis am Crestasee!“ schildert er diese Erfahrung so.

      Was muas ich wieder gseh?
      Mini Enta vum Crestasee!
      Sie hend mi wieder entdeckt
      Und ihri Häls recht gstreckt

      Sie hend d’Büchs erkennt
      Und sind zu mir g’rennt
      Paprika Chips heisst dä „Renner“
      D’Enta sind drum „Kenner“

      
Sie kömmend bis zu mir ufa
      Müand tüchtig schnuufa
      Und dänn fangt das „Fressa“ a
      Händ mi nüd vergässa gha

      Nei, sie fressand dia Chips us minara Hand
      Machand das g’wandt
      Und au dia klina Brogga
      Lönd si nüd hogga

      Chips machand Durscht und si gönd go trinka
      D’Entamuatter muass hinna na hinka
      Und scho schwimmand sie wieder im See
      
Und freuand sich ufs Widerseh!

      Solche Freude am Leben und Dasein von einem Entenpaar zu erfahren ist eine Lebenshilfe. Kommunikation mit Tieren kann unseren Alltag bereichern. Erfahrung von Gemeinschaft mit Tieren kann, je nach Situation, Freude, Trost und Halt schenken.
      Haustiere wie Hunde und Katzen, Kanarienvögel und Fischlein können Menschen gut tun. Haustiere zu halten ist ein uralter Brauch. Offensichtlich haben die Menschen schon immer gespürt, dass das Miteinander von Mensch und Tier für beide gut ist. In guter Begegnung von Mensch und Tier kann auch die Erfahrung in uns Menschen lebendig werden, dass die Schöpfung gut ist, dass GOTT, die Urkraft der Schöpfung uns liebt und dass es gut ist, mitzuwirken an der guten Schöpfung durch achtsames, ethisches Umweltverhalten.
      Tiere können uns auch als Film oder Foto berühren, erfreuen und zum Erstaunen bringen. So ergeht es mir immer wieder mit der Fernsehreihe „Kommissar Rex“.
      Das Wesen und Verhalten von Tieren kann auch zum eindrücklichen Bild werden für unser Menschsein.  Ich habe das als Fünfzehnjähriger intensiv erlebt am Verhalten eines Schwanes, das der Dichter Rainer Maria Rilke in ein Gedicht gefasst hat. Ich habe dieses Gedicht all meine Lebensjahre nie mehr vergessen und ich werde jedesmal daran erinnert, wenn ich einen Schwan sehe. Rainer Maria Rilke hat achtsam hingeschaut, wie ein Schwan am Seeufer entlang geht und dann hinab steigt ins Wasser und der Dichter hat aus dieser Naturerfahrung folgende Weisheit für Leben und Sterben erkannt:

                                            DER SCHWAN

                            Diese Mühsal, durch noch Ungetanes
                            schwer und wie gebunden hinzugehn,
                            leicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes.
                            Und das Sterben, dieses Nichtmehrfassen
                            jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn,
                            seinem ängstlichen Sich-Niederlassen - :
                            in die Wasser, die ihn sanft empfangen
                            und die sich, wie glücklich und vergangen,
                            zurückziehn, Flut um Flut;
                            während er unendlich still und sicher
                            immer mündiger und königlicher
                            und gelassener zu ziehn geruht.
                                                                                   Rainer Maria Rilke

 

      Erfahrungen mit Tieren zeigen etwas von der Grösse, der Vielfalt und der Liebe GOTTES in der Schöpfung. Der berühmte Benediktinermönch und geschätzte spirituelle Schriftsteller Anselm Grün gibt uns in seinem neuesten Buch „Was im Alltag gut tut“ den Hinweis: „Sprich mit einem vertrauten Tier!“ Er empfiehlt folgendes Ritual:
      „Nimm dir Zeit mit deinem Hund oder mit deiner Katze einmal 20 Minuten zu sprechen. Erzähl ihm alles, was dir gerade in den Sinn kommt. Erzähl ihm von dem, was dir gut getan hat, von freudigen Erlebnissen, für die du dankbar bist. Aber erzähl ihm auch, was dich traurig macht. Schau dabei den Hund oder die Katze an, nimm Blickkontakt auf. Und beobachte, wie der Hund oder die Katze reagiert, ob sie auf deine freudigen Erzählungen anders reagieren als auf deine Nöte, deine Ängste, deine Schmerzen. Wenn du fertig bist mit dem Erzählen, dann nimm den Hund oder die Katze auf den Schoss oder streichle sie. Dann siehst du auch, wie sie reagiert, ob er oder sie etwas verstanden hat von dem, was du erzählt hast.“
      Soweit der Hinweis von Anselm Grün.

      Noch grösser, tiefer und zu Herzen gehender ist die Begegnung mit einem Menschenkind. Ich habe das am letzten Samstag wieder intensiv erlebt bei der Taufe der halbjährigen Josephine Anna: wie das kleine Kind ins Leben blickt, Offenheit und Zukunft darstellt: das ist so wunderbar und lässt uns staunen über die faszinierende Schöpfung und den guten Hirten unseres Lebens.

Für all dies sind wir von Herzen dankbar und loben GOTT,
die Urkraft allen Seins und Lebens.