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24. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag 13. September 2020

Einführung in die Lesung

       Die heutige kurze Lesung aus dem Römerbrief ist ein Bekenntnis des Apostel Paulus über seine innige Verbundenheit mit JESUS CHRISTUS, sowohl in seinem Leben wie auch in seinem Tod.  

 

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom
(Römer 14,7-9)

       Schwestern und Brüder! Keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.

      Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende.

 

Lesung aus der Frohen Botschaft nach Matthäus
(Matthäus 18,21-35)

       In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.

      Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besass, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.
      Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, liess ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.
      Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist!
      Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und liess ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe.
      Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.
      Da liess ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast. Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.
       Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.

 

Predigtwort

Verzeihen bringt Segen und Leben

       Paulus hat an seine Gemeinde in Rom geschrieben: „Keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber“. Dahinter steckt die Frage an mich: Wofür lebe ich? Genügt es mir, nur für mich zu leben, oder möchte ich, dass mein Dasein auch für meine Mitmenschen Hilfe ist und Sinn macht? Das ist eine existenzielle Frage an jeden Menschen.

      Die Frage, die Petrus seinem Meister und Rabbi JESUS im eben gehörten Evangeliumsabschnitt stellt, ist auch heute noch eine konkrete Frage  nach gutem, sinnvollem Zusammenleben: Wie oft muss ich meinem Mitmenschen verzeihen? Die Antwort JESU ist klar: siebzigmal siebenmal! Das bedeutet: immer und immer wieder.
      Und das nachfolgende Gleichnis vom unbarmherzigen Diener bekräftigt eindrücklich die Weisung, dass wir unseren Mitmenschen immer wieder verzeihen sollen. Das Vergeben von Schuld ist so wichtig, dass unser christliches Hauptgebet, das Vater unser, uns täglich daran erinnert: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“
      Mit dem Gleichnis vom unbarmherzigen Diener zeigt JESUS einen Aspekt von unserem Menschsein, der mitten ins Herz trifft: Im Zusammenleben von uns Menschen gibt es Momente und Situationen, in denen wir verletzt werden. Oftmals durch Kleinigkeiten, hie und da auch durch schwerwiegende Taten oder Entscheidungen von Mitmenschen. Schon bei kleinen Kindern kann man Reaktionen auf seelischen Verletzungen beobachten.
      Auch wir Erwachsenen werden immer wieder, bis ins hohe Alter, von solchen Verletzungen bewegt. Was tun, wenn wir uns z.B. ungerecht behandelt fühlen und verletzt sind?
      Das erste ist wohl, die Verletzung bewusst machen und ins Gespräch bringen. Und das zweite ist durch Verzeihen die Beziehung mit dem Mitmenschen neu ermöglichen.
      Auch wenn wir diesem Rat JESU rasch zustimmen bedeutet das allerdings noch nicht, dass wir diese Weisung auch immer befolgen und in die Tat umsetzen. Verzeihen kann in gewissen Momenten sehr schwierig sein. Manchmal braucht es eine längere Zeit, bis man wirklich verzeihen kann.
      Verzeihen ist auch nicht einfach vergessen. Verzeihen ist eine menschliche Entscheidung: ich gebe dem, der an mir schuldig geworden ist, eine neue Chance und verzichte darauf, meinen Rachedurst zu befriedigen.
      Daran wird auch deutlich, dass Verzeihen grundlegend wichtig ist für unser menschliches Zusammenleben. Für die  Menschen, die in der Spur JESU wandeln wollen, ist Verzeihen eine wesentliche Lebenseinstellung.
      Durch das Gleichnis rückt uns JESUS ins Bewusstsein: Wenn ich erkannt habe, dass Gott zu mir barmherzig ist, dann muss auch ich barmherzig sein zu meinen Mitmenschen. Verzeihen verwirklicht so etwas Wesentliches von dem, was JESUS mit dem Reich Gottes verkündet und selbst gelebt hat. Wer wirklich verzeiht, lebt und wandelt in den Fussstapfen Jesu.

      Selbstverständlich geht es auch bei religiös motiviertem Verzeihen nicht darum, naiv oder weltfremd zu leben und sich ausnutzen zu lassen. Der Staat, z.B., muss auf das Einhalten der Gesetze dringen. Tatsache ist leider, dass in unserer realen Welt die Rechtsordnung und die Gerechtigkeit gar oft verletzt wird.
      Und dennoch stimmt auch die Erfahrung im Sinne JESU und im Sinne des Evangeliums: Wenn wir darauf trauen, dass im Hinblick auf die Gewalt und das Unrecht in dieser Welt nicht der Hass, sondern das Erbarmen und die Liebe das letzte Wort behalten und wenn wir in unserem eigenen Lebensbereich verzeihen und immer wieder verzeihen, werden wir erfahren, dass Verzeihen weiter führt als das Ausleben von Rache und strenger Gerechtigkeit. Verzeihen bringt Segen und Leben.
      Verzeihen hilft nicht nur unseren Mitmenschen, sondern ganz wesentlich auch uns selbst. Wer verzeihen kann, erlangt eine neue Freiheit.

 Wenn wir immer wieder verzeihen geben wir
durch unser Leben Zeugnis vom gütigen Gott.
Und Gottes Barmherzigkeit und Liebe
berühren so unser eigenes Herz
und wir erfahren das als
ERLÖSUNG.




„Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen“

Samstag, 15. August 2020: Festtag

Einführung in die Lesung

      Christliche Feste wollen göttliches Licht austrahlen und bewusst machen. Auch am heutigen Marienfest leuchtet göttliches Licht im Bild von Maria in ihrer Vollendung. Die Liturgie vom heutigen Fest braucht dafür ein dramatisches Bild aus der Apokalypse, dem letzten Buch der Bibel: „Ein grosses Zeichen erscheint am Himmel“. Im gewaltigen Bild wird deutlich: GOTT trägt den Sieg davon, selbst wenn Tod und Sünde die Herrschaft über das Leben des Menschen ergreifen wollen. GOTT allein ist der Schöpfer und Vollender des Lebens.

Hören wir auf diese dramatische, bildhafte Erzählung!

 Lesung aus der Offenbarung des Johannes 
(Offb 11,19a;12,1-6a.10ab)

      Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar. Dann erschien ein grosses Zeichen am Himmel: eine Frau mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füssen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel und siehe, ein Drache, gross und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der alle Völker mit eisernem Zepter weiden wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte.
      Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Königsherrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten.

Lesung aus der Frohen Botschaft nach Lukas
(Lukas 1,39-56)

      In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus von Zacharias und begrüsste Elisabet. Und es geschah: Als Elisabet den Gruss Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib.
      Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruss hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Und selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen liess.
      Da sagte Maria: Meine Seele preist die Grösse des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Grosses an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
      Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheissen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
      Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

 Predigtwort
Bilder und Gefühle zu Maria


      Es ist etwas Besonderes in unserem menschlichen Empfinden, dass wir Menschen nicht nur vom reinen Verstandesdenken her leben, sondern auch von Bildern und Empfindungen her. Erfahrungen und Bilder aus unserer frühen JugendzeitErlebnissen aus der Natur, wie auch Bilder und Gefühle aus  ErzählungenMärchenGedichten bewegen uns.
      Es gibt allerdings nicht nur schöne Bilder und Empfindungen, sondern auch schreckliche Erfahrungen, wie plötzliche TodesfälleAttentateGewaltverbrechenFlüchtlingselend, Naturkatastrophen und anderes mehr. Auch diese Bilder und Erfahrungen beeinflussen unser seelisches Empfinden.
      Gegenüber solch schrecklichen Eindrücken weckt in uns das Bild einer Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm das Gefühl von Geborgenheit, von Zuwendung, Frieden und Freude!
      Im heutigen Festtags-Evangelium schildert der Evangelist Lukas  ein eindrückliches Bild: Zwei schwangere Frauen begegnen sichMaria und Elisabeth. Gemäss der Erzählung wirkt JESUS schon im Mutterleib Marias auf den Embryo Johannes in der schwangeren Elisabeth.
      Auf diese vorgeburtliche Erfahrung hin lässt das Lukasevangelium Maria ein tiefsinniges und radikales Gebet sprechen: das Magnifikat. Darin lobt und dankt  Maria GOTT für das Wunderbare, das in ihrem Leben geschieht.
      Was ist denn das Wunderbaredas Besondere in ihrem Leben? Es ist die Gabe und Aufgabe, Mutter zu sein; also liebend da zu sein für die Entfaltung ihres Kindes. Muttersein ist eine Urberufung. Für diese Berufung dankt Maria GOTT.
      Später ist der Sohn Marias dann berühmt geworden. Sein Name JESUS bedeutet: „GOTT rettet“. Durch JESUS, durch sein Leben und Sterben und durch sein Wirken nach dem Tod am Kreuz haben in den letzten zweitausend Jahren unzählige Menschen TrostRettung und Heilerfahren.
      JESUS ist für uns Christen ein göttliches LichtJESUS ist ein Bild, das in unserem Herzen MutVertrauenHoffnung und Frieden ausstrahlen kann.
      Am heutigen Marienfest leuchtet uns auch göttliches Licht in der Glaubenshoffnung:„Maria ist mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen“.
      Die Liturgie vom heutigen Fest braucht dafür Bilder aus dem letzten Buch der Bibel. Darin wird geschildert, dass ein grosses Zeichen am Himmel erschien, nämlich: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, der Mond unter ihren Füssen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.
      Was können solche Bilder für uns bedeuten, in der Welt, in der wir heute leben? Wie kann ich meine Erfahrungen und mein Lebenmeine Freudemeinen Schmerzmein Tun und Unterlassen verstehen im Glaubenslicht dieser Bilder?
      Der berühmte Religionsphilosoph Martin Buber gibt in seine Schrift „Ich und Du“ folgenden Hinweis: „Man muss sich davor hüten, das Gespräch mit GOTT als etwas lediglich neben oder über dem Alltag sich Begebendes zu verstehen. GOTT spricht durch das Geschehen im eigenen Leben, und alles Geschehen in der Welt um uns her macht es für dich und mich zu Weisung, zu Forderung...“
      Das heisst, einfach gesagt, dass schlichte, alltägliche Erfahrungen auch wahre „Gotteserfahrung“ darstellen können; dass also auch unsere persönlichen Lebenserfahrungenuns anregen können zu einem Leben in der Spur JESU.
      Dazu eine schlichte, persönliche Erfahrung: Im Zentrum unseres Altarbildes ist unter dem Kreuz eine Pietà. Der polnische Maler Jan Janczak hat diese Pietà uns vor Augen und ins Herz gemalt.
      Für mich ist dieses Bild immer wieder eine ErmutigungMaria, in der grössten Not, mit ihrem toten Sohn im Schoss, verzweifelt nicht, sondern sieht mit dem Auge des Vertrauens und der Hoffnung in die Zukunft.
      Möchte doch, sowohl in unseren glücklichen Tagen wie auch in schweren Nöten, das Hinblicken auf Maria, die Mutter JESU, auch unser Vertrauen, auch unsere Hoffnung und auch unsere Liebe stärken. So, wie das über Jahrhunderte viele Menschen erfahren haben.

Ich will schliessen mit einer Erfahrung, die der junge Dichter Novalis vor gut 200 Jahren romantisch schön so in Sprache gefasst hat:

                                   Ich sehe dich in tausend Bildern,
                                  MARIA, lieblich ausgedrückt,
                                  doch keins von allen kann dich schildern,
                                  wie meine Seele dich erblickt.

                                  Ich weiss nur, dass der Welt Getümmel
                                  seitdem mir wie ein Traum verweht,
                                  und ein unnennbar süsser Himmel
                                  mir ewig im Gemüte steht.


12. Sonntag im Jahreskreis A


Sonntag 21. Juni 2020

Einführung in die Lesung

      Die Liturgie vom heutigen Sonntag bringt eine kurze Lesung aus dem Prophetenbuch Jeremia.
      Der Prophet Jeremia stammt aus Anatot, einem Ort 6 km nordwestlich von Jerusalem. Jeremia war Priestersohn und wirkte von ca. 628 – 586 vor Christus. Jeremia trat als wortgewaltiger Prophet auf gegen die damalige unsoziale Politik. Auf das hin wurde er durch Bespitzelung verfolgt und entging hinterlistigen Mordversuchen.
      Unter Aufsicht des Priesters Paschur wurde Jeremia ausgepeitscht und in den Block gespannt. Schliesslich wurde er in eine halbausgetrocknete Zisterne geworfen und verdankte seine Rettung einem ausländischen Hofbeamten.
      Später wurde Jeremia nach Ägypten verschleppt. Vom weiteren Schicksal Jeremias ist nichts bekannt.
      Die heutige Lesung bringt nur einen ganz kleinen Ausschnitt aus dem vielfältigen Geschehen, Wirken, Erleiden, Hoffen und Vertrauen vom Propheten Jeremia.
      Hören wir gut!

 

Lesung aus dem Buch Jeremia
(Jeremia 20,10-13)

 

      Jeremia sprach: Ich hörte die Verleumdung der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze. Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihn überwältigen und an ihm Rache nehmen können.
      Doch der HERR steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und können nicht überwältigen. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach.
      Aber der HERR der Heerscharen prüft den Gerechten, er sieht Nieren und Herz. Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen; denn dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut.
      Singt dem HERRN, rühmt den HERRN; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter.

 

  

 

Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus
(Matthäus 10,26-33)

 

      In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern!
      Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann!
      Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.
      Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen. 

 

Predigtwort
„Fürchtet euch nicht!“

 

      Meine Lieben!
      Dreimal spricht das heutige Evangelium uns zu Herzen: „Fürchtet euch nicht vor den Menschen!“ – „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können!“ – „Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.“
      Was kann diese Aufforderung JESU bedeuten für uns heute in einer Zeit der Corona-Pandemie, in einer Zeit von so beträchtlichen Umbrüchen durch Digitalisierung, Globalisierung und Klimawandel, in unserer Welt von Naturwissenschaft und Technik?
      Zunächst einmal: Die Aufforderung „Sich nicht zu fürchten“ bedeutet keinesfalls, dass wir uns nicht schützen sollen mit Naturwissenschaft, Medizin, Technik und natürlichem gesundem Verhalten. Es ist ganz klar: wir sollen all diese Möglichkeiten mit gesundem Menschenverstand für uns anwenden.
      Der Ruf JESU „Fürchtet euch nicht!“ gilt aber auch inmitten von solch modernem verantwortungsvollem Selbstverhalten.
      Die heutige Lesung aus dem Prophetenbuch Jeremia bringt ein konkretes Beispiel aus der frühen Geschichte Israels. Jeremia hat eine ganz eigene Lebens- und Glaubensgeschichte. Wie er mit GOTT redet ist beeindruckend. Bei ihm findet sich nicht das harmlos anmutende Bild vom lieben GOTT, auch nicht das einseitige Bild vom Allmächtigen, der alles kann, wenn er nur will.
      Jeremia klagt intensiv, dass GOTTES Wort ihm den ganzen Tag nur Spott und Hohn einbringt. Er erfährt offensichtlich nicht viel von der schützenden Nähe GOTTES. Umso überraschender ist es, dass er zwischendurch ein Loblied anstimmt auf diesen GOTT:
„Singt dem Herrn, rühmt den Herrn; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter!“. Sein Glaube  findet statt zwischen zähem Festhalten an GOTT einerseits und dem Erdulden finsterer Gottverlassenheit andererseits.
      Jeremia spiegelt wider, was Menschen auch heute erleben. Es gibt auch heute Menschen, deren Leben von Scheitern, Anfeindung, Hass, Schmerzen und Leiden zutiefst verdunkelt wird und so Angst und Furcht erzeugt.
      Jeremia kann auch heute Vorbild sein für Menschen, in deren Leben kein Sonnenstrahl zu finden ist und die trotzdem an GOTT festhalten. Seine Lebensgeschichte regt an, inmitten von allem Schweren, nicht zu verzweifeln, sondern im Vertrauen an  GOTT festzuhalten.
      JESUS ermutigt im Evangelium: Fürchtet euch nicht  vor denen, die den Leib töten können! Fürchtet euch vor dem, was eure Seele zerstören kann! Wer nämlich seine Seele verliert, der verliert das Vertrauen auf den gütigen Vater im Himmel, auf  das Gottvertrauen, das ihn aus der Angst vor Tod und Untergang retten kann.
       Gesundheit, Familie, Arbeit, Erfolg, Anerkennung, Freundschaften, Sympathie sind wichtig und bedeuten viel für unser Leben. Und wir haben gerade in den letzten Wochen der Corona-Pandemie wieder erfahren, wie bedeutungsvoll diese  menschlichen Erfahrungen sind. Sie sind aber nicht das Entscheidendste, nicht das Wichtigste.

      Es gibt noch eine grundlegendere, wesentlichere Erfahrung in unserem menschlichen Leben: das Vertrauen, die Hoffnung und Liebe zum grossen DU, das Vertrauen auf den Urgrund allen Seins, unser Vertrauen auf GOTT.
      Wir fallen nicht ins bodenlose Dunkel, sondern wir fallen trotz allem Leiden in GOTTES Hand. Wie das Kirchenlied so schön formuliert: 

 

Du kannst nicht tiefer fallen als nur in GOTTES Hand,
die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.

 

      Ich möchte schliessen mit einem Gedicht. Rainer Maria Rilke hat die menschlichen Erfahrungen, die wir eben besprochen haben, tiefsinnig und einzig schön in Sprache gebracht, indem er sagt:

                            Du darfst nicht warten
                           bis GOTT zu dir geht
                           und sagt: ICH BIN.
                           Ein GOTT, der seine Stärke eingesteht,
                           hat keinen Sinn.

 

                           Du musst wissen,
                           dass GOTT dich durchweht seit Anbeginn.

                           Und wenn dein Herz dir glüht
                           und nichts verrät,
                           dann schafft ER drin. 

 

                           Nur manchmal,
                           während wir so schmerzhaft reifen,
                           dass wir daran schon fast zerbrechen,
                           formt sich aus all dem,
                           was wir nicht begreifen
                           ein ANGESICHT
                           und sieht uns strahlend an.
                          (Rainer Maria Rilke)